Meist deftig, aber immer lecker sind die Spezialitäten aus dem Rheinland

 

Gaumenschmaus aus der Heimat

Wenn der Volksmund behauptet, Liebe ginge durch den Magen, dann muss Heimatliebe ja auch viel mit Essen und Trinken zu tun haben. Diese Theorie brachte die RWN-Redaktion zur Suche nach heimischen Gerichten.

Mit frischen, leckeren Kartoffeln aus dem Vorteil-Center schmeckt der Dippekuchen garantiert.
Bild: congerdesign

Tourismusmanager aus dem hohen Westerwald pflanzen den Dippekuchen gerne in ihre Region. Aber da dürfte der Protest aus der Rheinregion vielstimmig sein, auch wenn hier die Schreibweise Döppekooche gängiger ist. Bei einem Straßenfest in Linz füllte vor Jahren eine Namensliste eine lange Pinnwand. Döppekuche, Kesselknall und Uhles sind die bekanntesten Beispiele, Krombierekooche, Knülles, Knällchen oder Debbekoche sind weitere regionale Eigenarten.

Gemeinsam sind mit allen die fein geriebenen Kartoffeln, Zwiebeln, Eier und Gewürze. Angesichts dieser Rezeptur ist zu verstehen, dass es dereinst ein Arme-Leute-Essen war, das da vor allem im Spätherbst den ansonsten mageren Speiseplan bereicherte. Ohne Herkunftsgerangel dürfte es bei der Westerwaldsteig-Kartoffelsuppe abgehen. Aber auch hier gibt es abgewandelte Rezepturen, bleibt beispielsweise die Blutwurst raus. Brotaufstrich oder Dessert, der Eierkäs hat vor allem im Westerwald seine Freunde.

Unstrittig rheinisch ist er dagegen, der Sauerbraten, der in seiner rheinischen Originalform tatsächlich mit Pferdefleisch gemacht wird. Weil dieses Fleisch zumeist zäh war, gehörte das tagelange Einlegen in eine Beize zum Rezept verpflichtend dazu. Zwar ist das Pferdefleisch zwischenzeitlich vom Rindfleisch verdrängt worden, die Marinade für den süßsauren Geschmack aber weiterhin entscheidend. Apropos süß: Die süßen Früchte hängen bekanntlich eher hoch, also am Himmel. Die Kartoffeln kommen aus der Erde, also heißt die rheinische Mischung von beiden eben „Himmel un Ääd“.

Zwar ist die Liste der „rheinischen Küche“ noch viel, viel länger, aber ehrlicherweise muss dann gesagt werden, dass dabei oft das Rheinland im Bindestrich-Land NRW gemeint ist. Die Freunde der Bergischen Kaffeetafel oder der Bergischen Waffel achten aber auch nicht unbedingt auf Landesgrenzen. (fu)

 

 

 

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