Hochbegabte erahnen ihre Fähigkeit oft nicht


Genaues Hinschauen hilft

Seit etwa einem Jahr leitet Silke Vogt im Mehrgenerationenhaus Neustadt den Stammtisch Hochbegabung. Einmal im Monat tauscht sich die Mutter eines hochbegabten Jungen mit Gleichgesinnten aus.

Betroffene und Ansprechpartnerin: Silke Vogt
Bild: MGH

Eingeladen sind zu den Treffen, die jeden vierten Dienstag im Monat ab 19 Uhr stattfinden, alle, die an dem Thema Interesse haben. „Im Moment kommen nur betroffene Mütter. Aber es könnten auch gerne Lehrer oder Erzieherinnen kommen. Da bin ich ganz offen“, sagt Silke Vogt. Auch Eltern, die nur meinen, ihr Kind könnte vielleicht hochbegabt sein, sind gerne gesehen.

Intelligenzquotient über 130

Als hochbegabt gelten Menschen mit einem Intelligenzquotienten ab 130. Auf etwa zwei Prozent der Bevölkerung trifft dies zu. „Nicht jeder Betroffene weiß, dass er betroffen ist. Es gibt auch hochbegabte Kinder, die fallen überhaupt nicht auf und werden dementsprechend nie getestet“, so Vogt. „Man geht ja nicht einfach hin und sagt: ‚Ich wollte mal wissen, wie intelligent mein Kind ist‘, sondern meistens liegt irgendwas vor.“

Auch ihr Sohn verhielt sich auffällig. Weil der Junge nicht mehr in den Kindergarten gehen wollte, ließen seine Eltern ihn bereits ein Jahr früher einschulen. In der ersten Klasse äußerte die Klassenlehrerin, die selbst einen Hochbegabten in der Verwandtschaft hatte, die Vermutung, ihr Schüler sei hochbegabt. „Ich habe das weit von mir gewiesen und gesagt: Der ist einfach sehr fit und hat von seinem älteren Bruder viel aufgeschnappt“, erzählt Vogt.

Hilfe aus dem Wiedtal-Gymnasium

Als ihr Sohn im zweiten Schuljahr jedoch auch den Besuch der Schule verweigerte, ließ sie ihn testen und der Verdacht der Lehrerin bestätigte sich. „Dann hat er die dritte Klasse übersprungen“, so Vogt. „Das war natürlich ein Problem. So werden diese Kinder im Vergleich zu den anderen immer jünger und haben dann nicht Probleme kognitiver Art, aber vielleicht Probleme sozialer Art.“

Seit ein paar Jahren läuft es aber richtig gut. Vogts Sohn ist heute 13 Jahre alt und besucht die neunte Klasse des Wiedtal-Gymnasium Neustadt. Ihn auf eine Schule für Hochbegabte – wie etwa die CJD Christophorusschule Königswinter – zu schicken, kam für seine Eltern aus verschiedenen Gründen nicht in Frage. Vogt ist aber froh, dass es an der Schule ihres Sohnes eine Hochbegabtenbeauftragte gibt, die „sehr fit auf dem Gebiet“ ist.

„Es gibt hochbegabte Kinder, die brauchen unheimlich viel Input, die müssen ein Instrument lernen oder noch eine Sprache oder die brauchen nachmittags ganz viele Hobbies“, so Vogt. „Und es gibt andere hochbegabte Kinder, so ist meiner, der will eigentlich in Ruhe gelassen werden, der braucht nachmittags keine spezielle Förderung und er braucht auch keine spezielle Schule.“ Betroffenen Müttern rät sie, ihre Kinder genau zu beobachten und zu schauen, was sie einfordern. „Dann merkt man genau, was das Kind braucht und was nicht. Das ist eigentlich der Weg“, so Vogt.

Probleme wachsen sich aus

Zudem möchte sie Müttern mit jüngeren Kindern Mut machen. „Je jünger hochbegabte Kinder sind, desto schwieriger sind sie. Sie wollen Sachen von jetzt auf gleich können, aber das geht zum Beispiel beim Schreiben lernen nicht“, sagt Vogt. „Je älter sie werden, desto besser wird es. Die Frustrationstoleranz und Geduldsspanne wächst. Mit dem Älterwerden wachsen sich solche Probleme aus.“

Sie selbst, so räumt Vogt heute ein, hätte sich den Stammtisch vor vielen Jahren gewünscht, „weil wir da selber einfach auch noch mehr Probleme damit hatten“. Damals gab es ihn aber noch nicht. Er wurde aufgrund der positiven Resonanz auf einen Vortrag zum Thema „Hochbegabung“, der 2016 im Mehrgenerationenhaus stattfand, ins Leben gerufen. (eg)

 

 

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