Marken des Alltags: Fisherman´s Friend


Hier kommen nicht nur Seemänner auf den Geschmack

Ursprünglich war es als Mittel gegen die rauen Kehlen englischer Seeleute erfunden worden, doch seit Jahrzehnten werden die Pastillen auch von Menschen gelutscht, die noch nie eine Angel oder einen Kescher in der Hand hatten. Manche mögen einfach den guten Geschmack, andere bekämpfen Mundgeruch, -trockenheit, Heiserkeit oder Halskratzen. Fisherman’s Friend ist inzwischen seit über 150 Jahren auf dem Markt.

Fisherman´s Friend: Die beliebten Pastillen wurden ursprünglich von Hand gestanzt und ausschließlich in einer Apotheke im nordenglischen Fleetwood vertrieben. Hierzulande sind sie seit rund 40 Jahren erhältlich.
Bilder: Lofthouse

Im Jahre 1865 entwickelte der englische Apotheker James Lofthouse eine Essenz, die den Hochseefischern seines Heimatortes Fleetwood im Norden von England als Mittel gegen ihren oft rauen Hals dienen sollte. Die ursprünglich flüssige Lösung war eine Mischung aus Eukalyptus, Lakritz, Menthol und Zucker. Lofthouse nannte sie Fisherman’s Friend. Da die Fläschchen auf hoher See regelmäßig zu Bruch gingen, verdickte er die Tinktur zu einer teigigen Masse, rollte diese aus und stanzte Pastillen daraus.

In den folgenden etwa 100 Jahren blieb der Vertrieb auf den Landstrich um Fleetwood beschränkt. Der Sohn des Erfinders verkaufte die Pastillen in seiner Apotheke, seine Frau beschriftete die weißen Papiertütchen der einzigen Sorte „Original Extra Strong“ mit der Schreibmaschine – in Schwarz und Rot. Der Grund für dieses Corporate Design war banal: Die Schreibmaschinen hatten Farbbänder mit einer hälftig schwarzen und roten Tränkung.

Tony Lofthouse, der Urenkel des Gründers, bot die Pastillen im Frühjahr und Sommer dann zusätzlich in zwei kleineren Läden in Strandnähe an, wo sich vor allem Touristen damit eindeckten. Sie waren es, die seine Frau Doreen 1963 auf die Idee brachten, die Bonbons auch außerhalb von Fleetwood zu vertreiben. Ab 1967 bepackte sie ihr Auto mit Pastillen und suchte nach Läden, die Interesse hatten, das Produkt zu verkaufen. Die neuen Vertriebspartner schickten bald Bestellung um Bestellung – und das Unternehmen Lofthouse wuchs.

Anfang der 70er Jahre kaufte die Familie ein Gelände am Stadtrand von Fleetwood. Auf knapp 2000 Quadratmetern wurde zunächst die Produktion aufgebaut. In den Folgejahren kamen weitere Hallen und ein Bürotrakt dazu.

Auf Anfrage eines Importeurs wurde Fisherman`s Friend 1974 zu Testzwecken nach Norwegen exportiert. Aufgrund der gewaltigen Nachfrage wurden aus der einen Kiste bald Containerladungen. Auf Norwegen folgte Finnland, dann Schweden und 1977 Deutschland.

Geschmacksvielfalt erweitert

Nachdem es über 100 Jahre lang nur die eine Geschmacksrichtung „Original Extra Strong“ gegeben hatte, kam im selben Jahr eine weitere Sorte hinzu: „Anis“. In Großbritannien erhöhte sich deren Absatz 2009 um 40 Prozent, da die Kunden hofften, sich damit vor der Schweinegrippe schützen zu können. Denn auch das Medikament Tamiflu enthält Anis.

Inzwischen gibt es 15 Sorten, darunter viele fruchtige Geschmacksrichtungen wie etwa Kirsche, Johannisbeere oder Mandarine, besonders beliebt in Asien. „Salmiak“ gibt es dagegen nur auf dem nordeuropäischen Markt. Im Januar 2018 kam die Sorte „Salbei“ heraus.

Bis heute gehört das Unternehmen Lofthouse of Fleetwood zu 100 Prozent Tony Lofthouse, seiner Frau Doreen und seinem Stiefsohn Duncan. Die unzähligen Übernahmeangebote lehnte die Familie allesamt ab.

Ganz ähnlich stellt sich die Situation übrigens bei dem deutschen Wettbewerber Vivil dar: Die im Jahre 1903 von August Müller gegründete Firma ist ebenfalls bis heute ein reines Familienunternehmen. Aufgrund der großen Häufigkeit des Nachnamens führt die Familie den Doppelnamen Müller-Vivil. (cm)

 

 

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