Tiere sind meist nur aus der Ferne zu betrachten


Im Gehege hält der Hirsch Hof

Der Anführer blickt aufmerksam in die Runde, schätzt kurz das Bedrohungpotenzial ab und befiehlt den Rückzug. Nein, kein Manöverbericht vom Truppenübungsplatz. Alltag in Wiedmühle oder Roßbach. Schließlich spricht ja auch der Volksmund gerne vom „scheuen Reh“. Aber um eben diese scheuen Tiere zu sehen, muss man nicht mit den Hühnern aufstehen und auf die Pirsch gehen. Wildgehege gehören zwischen Neuwied und Altenkirchen beinahe ebenso selbstverständlich zum Landschaftsbild wie die Rinderweide nebenan.

Natürlich haben wir in Deutschland längst einen Fachbegriff fürs Domestizieren der ursprünglichen Waldbewohner: „Wildfarming“ lässt wohl keine Erinnerung an den grünberockten Jägersmann zu.

Über 100 Tiere auf dem Höhenrücken

Die vielen Hanglagen in der Region stellen die herkömmliche Landwirtschaft vor Probleme. Daher nahm hierzulande die Wildzucht deutlich zu.
Bilder: PA Funk

Matthias Eul setzt auf umfassende Information, schließlich ist er als Vorsitzender des Wildhalterverbandes „Damwild Farming Mitte-West“ ums richtige Image seiner Branche bemüht. Er spricht aber auch vom Hobby, das seine Familie nunmehr seit über 20 Jahren auf dem Höhenrücken über dem Wiedtal pflegt. Hier grasen schließlich zeitweise auch über hundert Tiere. Übrigens: Im Rahmen der Regional-Initiative gehört der Strauscheider Betrieb Eul auch zu den Lieferanten im Vorteil-Center.

Dafür, dass die Zahl der Wildgehege in der ‚Region zugenommen hat, liefert Matthias Eul eine besondere Begründung: „In der Landwirtschaft bestimmen große Maschinen das Bild, aber die kann man auf den Hanglagen bei uns kaum einsetzen. Da denkt so mancher Landwirt dann um.

Am Rande von Roßbach lässt Alfons Boden sein Damwild möglichst nicht aus den Augen. Aber auch hier ist das Gehege derart groß, dass die scheuen Tiere bei der Annäherung Fremder genug Fluchtecken finden. Nur dann, wenn der Roßbacher seinen Tieren Heu, Äpfel oder Kastanien in die Krippe wirft, dann vergessen Hirsch und Reh sogar für Sekunden ihre angeborene Vorsicht.

Die lieben Nachbarn stehen auf Kastanien

Seit vielen Jahren freut sich Familie Becker in Bertenau über die „lieben Nachbarn“. Die lassen sich von Gisbert Becker auch mal an den Zaun locken, aber dafür braucht er schon einige Hände voll leckerer Kastanien. Er kennt seine „Pappenheimer“, erzählt vom scheuen Muttertier oder dem streitbaren Anführer des Rudels, der auch bei den Kastanien keinen Zweifel an seiner Vorherrschaft aufkommen lässt. Man nimmt dem Bertenauer die Liebe zu den Tieren ab. Aber: Auch das Abschießen und Vermarkten der Tiere gehört dazu, wenn auf der Weide die einstigen Waldbewohner gehalten werden. (fu)

 

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