Interview mit Stefan Glässner


„Immer mehr Förderanträge treffen ein“

Am 1. August startete die Heizungskesseltauschkampagne „Der Alte muss raus!“ der Klimaschutzinitiative des Landkreises Altenkirchen und seiner Verbandsgemeinden sowie der Sanitär-Heizung-Klimatechnik-Innung Rhein-Westerwald. Wer bis 31. Mai 2016 seinen mindestens 20 Jahre alten Wärmeerzeuger gegen einen Neuen tauscht, wird neben den Förderprogrammen des Bundes mit bis zu 500 Euro für diese Maßnahme im Rahmen der Kesseltauschkampagne unterstützt. „Unser Zuhause“ sprach darüber mit Stefan Glässner, dem Klimaschutzmanager des Landkreises.

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Stefan Glässner, Klimaschutzmanager des Landkreises Altenkirchen
Bild: AK

Ihre bundesweit wohl einmalige Kesseltauschkampagne „Der Alte muss raus!“ ist im August angelaufen. Wie ist die Resonanz bisher?

Glässner: Die Resonanz ist gut. Seit dem Kampagnenstart erreichen mich täglich Anrufe mit Fragen zu unserer Kesseltauschkampagne. Nachdem nun die ersten Heizungskessel im Rahmen der Kampagne in den wohlverdienten Ruhestand geschickt wurden, treffen immer mehr Förderanträge bei mir ein. Und da es nun Richtung Winter geht, rechne ich mit einer weiteren Steigerung der Heizungssanierungen.

 

Was waren die Beweggründe  des Landkreises, neben den Förderprogrammen des Bundes diese kommunalen Sonderboni „made in AK“ zu initiieren?

Glässner: In der Modernisierung unseres Heizungsbestandes liegt der Schlüssel zum Erreichen unserer Klimaschutzziele. Man schätzt, dass rund 70 Prozent der Heizungsanlage nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen. Diese alten Anlagen haben einen viel zu hohen Energieverbrauch. Dies schadet den Portemonnaies der Besitzer und dem Klima gleichermaßen. Somit ist ein Austausch von Heizungsanlagen sowohl aus ökonomischer als auch aus ökologischer Sicht eine sinnvolle Investition. Mit der Kesseltauschkampagne und den temporären Sonderboni erwarten wir uns eine verbesserte Sanierungsrate.

 

Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen, um in den Genuss zu kommen?

Glässner: Die Sonderboni gelten nur im Landkreis Altenkirchen. Zudem können die Boni nur beantragt werden, wenn sowohl der Heizungsinstallateur als auch der Hersteller des Wärmeerzeugers an der Kesseltauschkampagne teilnehmen. Heizungsmodernisierungen werden nur bezuschusst, wenn die bestehende Heizung älter als 20 Jahre ist. Das sind die Heizungskessel, bei denen sich ein Austausch aufgrund der schlechten Effizienz auch bei noch funktionierenden Anlagen lohnt. Zudem unterstützen wir heizungsunterstützende Solarthermieanlagen unabhängig vom Kesseltausch und -alter.

 

Wer seine alte Heizung erneuern will, hat viele Fragen. Welche hören Sie am häufigsten?

Glässner: Die meisten Interessenten haben schon ein relativ festes Bild von ihrem zukünftigen Heizsystem, weshalb sich die meisten Fragen schon um die Fördermöglichkeiten bei der Kesseltauschkampagne drehen. Zudem wird nach der Notwendigkeit des hydraulischen Abgleichs gefragt, da dieser mit Arbeit verbunden ist und zusätzlich zur Installation der Heizung Geld kostet.

Ich kann ihnen versichern: der hydraulische Abgleich gehört unbedingt zu einer Heizungsmodernisierung dazu. Ein neuer Wärmeerzeuger kann seine volle Effizienz nur entfalten, wenn der Rest des Heizungssystems optimal auf diesen abgestimmt ist. Ein hydraulischer Abgleich ist somit eine Investition, die sich über den geringeren Energieverbrauch sehr schnell wieder amortisiert.

 

Nicht wenige befürchten, sich bei der Modernisierung ihrer Heizungsanlage falsch zu entscheiden. Mit welchen Energieträgern und welcher Heiztechnik ist man Ihrer Meinung nach auf der sicheren Seite?

Glässner: Meiner Erfahrung nach ist es so, dass die Bürgerinnen und Bürger bei den Wärmeerzeugern gerne an dem festhalten, was sie bereits kennen – sprich Gas oder Öl. Oft geht dies auch mit dem geringsten Investment einher. Jedoch unterliegen die fossilen Brennstoffe sehr starken Preisschwankungen. Auch wenn das Preispendel gerade in Richtung Verbraucher ausgeschlagen ist und die Preise der fossilen Brennstoffe auf niedrigem Niveau liegen, so wird es aufgrund der Endlichkeit der Rohstoffe und stärkeren Klimaschutzbemühungen auch wieder in die andere Richtung ausschlagen. Deshalb empfehle ich jedem, sich auch mit alternativen Wärmeerzeugern zu beschäftigen.

Alternative Wärmeerzeuger bedeuten zwar ein höheres Anfangsinvestment, jedoch punkten sie mit geringeren Brennstoffkosten und attraktiven Förderungen. Mit einer effizienten Heizungsanlage und erneuerbaren Energien bei der Wärmeerzeugung kann man sich gegen zukünftige Preisschwankungen bei den fossilen Brennstoffen schützen und seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Falls es dennoch Gas oder Öl sein soll, dann rate ich, sich mit dem Thema solarthermische Heizungsunterstützung auseinander zu setzen. Je nach Auslegung der Anlage kann der Brennstoffverbrauch damit langfristig um rund 30 Prozent gesenkt werden.

 

Welches Ergebnis möchten Sie im kommenden Jahr nach Abschluss der Aktion gerne verkünden?

Glässner: Bei unserer Heizungskesseltauschaktion konnten wir letztes Jahr innerhalb von vier Monaten knapp 300 Heizungspumpen tauschen. Nun ist der Austausch einer Heizungspumpe vom finanziellen Aufwand selbstverständlich nicht mit einer Heizungsmodernisierung zu vergleichen. Aber aufgrund der Vielzahl an Partnern, sprich 35 Heizungsinstallateure, 13 Hersteller von Wärmeerzeugern und fünf Brennstofflieferanten, und der intensiven Öffentlichkeitsarbeit sehe ich es im Bereich des Möglichen, in die Nähe dieser Messlatte zu kommen.

 

 

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