Marken des Alltags: Gaffel Kölsch

 

Kamelle und Kölsch

Wenn an Weiberfastnacht („Wieverfastelovend“), am Donnerstag vor Rosenmontag, in Köln der Straßenkarneval eröffnet wird, dann sind die berühmten vier „K“ alljährlich mit von der Partie: Kostüme, Konfetti, Kamelle und Kölsch. „Kölsch“ ist als geschützte geografische Angabe (g.g.A.) eingetragen und darf nur in Köln und Umgebung gebraut werden. Zweitgrößte Marke und Marktführer in der Gastronomie ist Gaffel.

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Seit Mai 1908 wird Gaffel Kölsch gebraut.
Bild: Gaffel

Als das älteste Brauhaus „auf dem Eigelstein“ – nur einen Kilometer vom Kölner Dom entfernt – wurde bereits im Jahre 1302 das Haus „Zum Leysten“ erwähnt. Die kleine Hausbrauerei war die Urzelle der Braukultur in dieser Straße. Das Kölner Brauer-Kataster führte 1838 die stolze Zahl von 18 Brauereien für den Eigelstein auf. Ein Grund war der dortige Brunnen, der das Viertel („Veedel“) mit Brauwasser versorgte.

Bis zum Jahre 1888 war der Standort unter dem Namen „Zum Brüsseler Hof“ zunächst als Hausbrauerei und dann als reine Gaststätte betrieben worden, bevor der Brauer Adam Lenzen ihn erneut als Brauerei etablierte und zehn Jahre lang erfolgreich führte.

Am 24. Mai 1908 schlug dann die Stunde der heutigen Kölsch-Marke Gaffel. Die Gebrüder Becker übernahmen das Gasthaus und die Brauerei, bauten diese um und änderten ihren Namen in Obergärige Brauerei „In der Gaffel“. Der Ausdruck „Gaffel“ bezieht sich auf die politischen Vereinigungen der Kölner Zünfte, die jahrhundertelang die Geschicke der Stadt geleitet hatten. Am 14. September 1396 waren die Patrizier von den Bürgern gestürzt worden. Die Gaffeln (darunter die Brauer) hatten die politische Verantwortung von da an bis zur Besetzung Kölns durch die französischen Truppen im Jahre 1794 ausgeübt.

Im Jahre 1918 wurde das Vorderhaus mit dem Brauerei-Ausschank auf dem Eigelstein sehr aufwendig umgebaut und die Inneneinrichtung modernisiert. Die mit vaterstädtischen Motiven bemalte Fassade erhielt den Charakter eines alten Zunfthauses.

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs lag der Ausstoß der Brauerei kaum über 5000 Hektoliter (Hl) pro Jahr. Nach dem Wiederaufbau allerdings wurde im Jahre 1950 erstmals eine Jahreskapazität von 10.000 Hl erreicht. 1962 wurde die 100.000 Hl-Marke und zehn Jahre später die 200.000 Hl-Grenze überschritten.

Heute sind es weit mehr als 480.000 Hl Gaffel – allerdings inklusive Fassbrause, Sonnen-Hopfen, Light und Alkoholfrei) –, die jährlich gebraut werden. Beim Kölsch-Marktführer in der Gastronomie spielt die Fassbier-Abfüllung eine große Rolle – sie umfasst zwei Drittel der Gesamtmenge.

Im August 2014 meldete der Kölner „Express“: „2015 wird in Porz das erste Gaffel gebraut“. Ein Gaffel-Sprecher erklärte, dass die Brauerei die Produktion in Porz-Gremberghoven konzentriere, wo sie bereits eine 30.000 Quadratmeter große Betriebsstätte betreibt. Der Traditions­standort am Eigelstein sei zu klein für den Ausbau in Richtung zusätzlicher Innovationen. Für den Gaffel-Fan bleibt indes die Hauptsache, dass sein Kölsch weiterhin in Köln – siehe „geschützte geografische Angabe“ – gebraut wird. Die Marke erfüllt alle Kriterien, die gefordert sind, damit ein Lebensmittel die Kennzeichnung tragen darf: Sowohl die Erzeugung als auch die Verarbeitung erfolgt weiterhin im angegebenen Herkunftsgebiet.

Übrigens: Gerade obergärige Biere wie Kölsch sollen eine gesundheitsfördernde Wirkung haben, indem sie das Nierenstein-Risiko senken. Apropos obergärig: Der Name bezieht sich auf die Hefe, die beim Brauprozess auf der Oberfläche des Jungbieres schwimmt, während untergärige Hefe (Pilsener, Export, Lager etc.) auf den Boden des Gärbottichs sinkt.

 

 

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