Einstige Fabrik ist heute eine Villa


Kaninchenfelle kamen aus Unkel

Hasen und Kaninchen gehören auch heute noch in manchen Familien in der Region zu den Haustieren, die vor allem bei Kindern besonders beliebt sind. Dass aber Kaninchenfelle in der Region Unkel jahrzehntelang ein besonders begehrtes und gehandeltes Produkt waren, das ist heute nicht mehr vielen bekannt.

Villa Profitlich am Rheinufer in Unkel: Historische Aufnahme aus dem Jahr 1912
Bild: gemeinfrei

Rauchwaren-Zurichterei, so lautete die Branchenbezeichnung für das Unternehmen „Paul Profitlich & Söhne“, das im Jahr 1873 seine ersten Werks­anlagen am Rhein errichtete. Pelzfabrikant Ernst Profitlich ließ im Jahr 1910 die stattliche Villa bauen, die viele Heimatkenner als Villa Profitlich kennen. Sie wurde übrigens von einem damals recht berühmten Berliner Architekten, Wilhelm Freiherr von Tettau, geplant.

Die Technische Universität Wien untersuchte vor Jahren die Villa und die Fragen künftiger Nutzungsmöglichkeiten. Ein Auszug aus dem Uni-Bericht: „Die ehemalige Pelzfabrik aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stellt ein unentdecktes Kleinod einer Kleinstadt am unteren Mittelrhein dar. Die Immobilie steht nicht unter Denkmalschutz, stellt aber eine der wenigen Spuren der industriellen Geschichte der Gemeinde dar, das heißt Denkmalschutz wäre möglich. Die Immobilie ist kaum mehr als Produktions- und Lagerstätte erkennbar, da sie durch Ein- und Umbauten in ihrer Substanz sehr stark verändert wurde.“

60 Arbeitsplätze hat nach historischen Unterlagen Fabrikant Profitlich 1873 mit seinem Pelzveredlungsbetrieb geschaffen. In den Folgejahren schwankte die Zahl der Beschäftigten aber stark, Pelzverarbeitung war eine saisonabhängige Tätigkeit: Kaninchenfelle fallen vor allem zur Winterzeit an, müssen also im Frühjahr in großen Mengen durch Kürschner verarbeitet werden.

Den Markt der Kaninchenfellveredelung beherrschten damals Firmen in Frankreich und Belgien. Das Unkeler Unternehmen galt aber als einziges deutsches Unternehmen in dieser Branche als konkurrenzfähig. Historische Dokumente zitieren Profitlich: „Den Fellen, welche im rohen, trockenen Zustande bei mir eingehen, werden zunächst die Köpfe, Pfoten und Schwänze entfernt, respektive abgeschnitten. Letztere gehen nach Frankreich zur Filzbereitung, während die Köpfe und Pfoten von Winzern und Landwirten zu Düngemitteln geholt werden.“ Felle aus Unkel waren im ersten Weltkrieg begehrte Ausrüstung für die Soldaten an der Ostfront. (fu)

 

 

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