Marken des Alltags: Glücksklee


Karlchen Glücksklee

Dass der in Paris lebende deutsche Modeschöpfer Karl Lagerfeld in seiner Kindheit „Karlchen Glücksklee“ gerufen wurde, mag so gar nicht zu dem Bild passen, das die Öffentlichkeit heute von dem weltbekannten, angesehenen Designer hat. Der Spitzname rührt von der Glücksklee-Kondensmilch her, die sein Vater in den 20er Jahren erfand. Seit den 80ern gehört auch Sprühsahne zum Sortiment der Traditionsmarke.

Karl Lagerfeld, der am 10. September 1933 in Hamburg zur Welt kam, heißt eigentlich Karl Otto Lagerfeldt mit „dt“. Als sein Vater Otto 1903 in die USA ausgewandert war, um dort Karriere zu machen, hatte er auf das „t“ am Ende seines Nachnamens verzichtet. Ob es tatsächlich dieser Schritt war, der ihn nach vorn brachte, ist ungewiss – jedenfalls fand er eine Anstellung bei der Carnation Corporation, einem führenden Dosenmilch-Hersteller.

Kleeblatt ersetzte 1923 die Nelke

Als Vertreter unternahm er Reisen in alle Welt, um neue Absatzmärkte für die Firma zu erschließen. Besonders erfolgreich agierte er ab 1908 in Ostsibirien, wurde dort jedoch während des Ersten Weltkriegs interniert und konnte das Land erst bei Kriegsende 1918 verlassen.

Zurück in Deutschland gründete er 1919 in Hamburg die Firma Lagerfeld & Co., um die US-Dosenmilch zu importieren. Der besseren Verkaufsmöglichkeiten wegen erfand Otto Lagerfeld 1923 einen deutschen Markennamen, der ein positives Image erzeugen sollte: Glücksklee. Auch das rot-weiße Etikett mit dem grünen Kleeblatt (statt der amerikanischen Nelke) kreierte er selbst.

Zwei Jahre später erfolgte die Gründung der Glücksklee Milchgesellschaft mbH in Hamburg. Sie war das erste Spezialunternehmen für Kondensmilch in Deutschland. 1926 wurde eine Dosenmilch-Fabrik im ostholsteinischen Neustadt errichtet. Schutzzölle hatten Lagerfeld darauf gebracht, fortan nicht mehr zu importieren, sondern – in Lizenz – zu produzieren. 1937 erwarb er Fabriken im mecklenburgischen Waren und im ostpreußischen Allenburg als zusätzliche Glücksklee-Standorte. Ab 1941 hemmten Kriegsengpässe die Produktion: Es fehlte unter anderem an Blech und Lötzinn, um die rund 130.000 Liter Milch täglich in Dosen zu verpacken.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begleitete Lagerfeld den Wiederaufstieg des Unternehmens, das führender deutscher Hersteller von Dosenmilch blieb. Er war Geschäftsführer bis 1957. Bereits seit 1952 gab es ein Glücksklee-Werk in Bad Essen (Niedersachsen), das zu Spitzenzeiten etwa 350 Arbeitskräfte beschäftigte und 570.000 Liter Milch am Tag verarbeitete. Bis 1988 wurde hier Dosenmilch hergestellt. Das Neustädter Hauptwerk hatte bereits ein Jahr zuvor geschlossen.

Gastauftritt in „Das Boot“

Bilder: Hersteller

Nachdem der amerikanische Glücksklee-Lizenzgeber 1985 vom Schweizer Konzern Nestlé übernommen worden war, veräußerte dieser im Jahre 2003 seine gesamte Kondensmilch-Sparte (Lünebest und Bärenmarke) an die Hochwald Nahrungsmittelwerke.

Hochwald wurde 1932 als Genossenschaft Erbeskopf eG in Thalfang (Hunsrück) gegründet. Bereits 1938 nahm man hier die Kondensmilchproduktion auf und baute 1954 eine eigene Dosenfabrik. Seit 2008 ist Hochwald alleiniger Hersteller von Kondensmilch in der Dose in Deutschland.

Glücksklee-Kondensmilchdosen hatten übrigens – genau wie die weltbekannten grünen Bierflaschen von Beck’s – einen prominenten Auftritt in dem international erfolgreichen deutschen Spielfilm „Das Boot“ von Wolfgang Petersen aus dem Jahr 1981. Dort mixt sich ein Wachoffizier aus Zitronensaft und Glücksklee-Milch einen „U-Boot-Spezialcocktail“. (cm)

 

 

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