„Rusalka“ wird ins Cine5 übertragen

 

Kein Platz, in keiner Welt

Liebe, Leidenschaft, Verzweiflung, Hoffnung und eine hinreißende Prise Humor – das fantastische Märchen von der kleinen Meerjungfrau Rusalka hat alles, was eine klassische Oper braucht. Und so dürfen die Fans schon heute in Vorfreude auf eines der schönsten Werke von Antonín Dvorák schwelgen – in einer Neuinszenierung von Tony-Award-Gewinnerin Mary Zimmerman und Kristine Opolais in einer ihrer Paraderollen. Sie wird im Rahmen der Veranstaltungsreihe der Live-Übertragungen am Samstag, 25. Februar, ab 19 Uhr, direkt aus der New Yorker Metropolitan Opera ins Cine5 in Asbach ausgestrahlt.

Kristine Opolais wird am 25. Februar in die Rolle von Dvoráks Meerjungfrau schlüpfen.
Bild: Kristian Schuller/Metropolitan Opera

Faszinierende Klangwelten, leidhafte und hochdramatische Momente sowie das berührende „Lied an den Mond“ – das sind die Elemente, mit denen Antonín Dvorák und sein Librettist Jaroslav Kvapil seit der Uraufführung im Jahre 1901 in Prag das Publikum in ihren Bann ziehen und Operngeschichte schreiben.

Dass die spannende Darstellung der in dem Werk auftretenden Menschen auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat, erhöht den Stellenwert des bekanntesten Stück aus der Feder des böhmischen Komponisten, der schon zu Lebzeiten Weltruhm genoss.

Andersens Meerjungfrau

Dabei weist die Geschichte der namensgebenden Wassernymphe Rusalka viele Ähnlichkeiten mit der kleinen Meerjungfrau von Hans Christian Andersen oder Friedrich de la Motte Fouqués Undine auf, ist allerdings viel dunkler und trauriger, weil sie vom slawischen Mythos der untoten Rächerin aus dem Wasser und den düsteren Sagen des Dichters Karel Jaromír Erben beeinflusst ist. Deshalb muss die Protagonistin auch wie in einem mehrteiligen Psychokrimi durch Himmel und Hölle eines unerfüllbaren abendländischen Traumes gehen.

Denn die Wassernixe erlebt ihre Welt als Gefängnis. Sie sehnt sich nach menschlicher Gestalt und Liebe und ist dafür sogar bereit, ihre Unsterblichkeit aufzugeben und auf ihre Stimme zu verzichten. Doch die ersehnte neue Welt begegnet dem stummen, fremden Mädchen feindlich.

Auch der irdische Prinz, dem ihre Liebe gilt, hat nicht die Kraft zu ihr zu stehen. Stattdessen wendet er sich einer fremden Fürstin zu. Damit ist das Schicksal der beiden besiegelt: Der Prinz erkennt zu spät, dass er sein Glück verspielt hat. Und Rusalka hat weder einen Platz in ihrer alten noch einen in der neuen Welt. Nur wenn sie den Prinzen tötet, darf sie in ihre alte Welt zurückkehren.

Mal schwelgerisch, mal schmerzvoll

Hinter dieser bitteren Geschichte, in der die Figuren keine Namen tragen, sondern so heißen wie ihr Wesen oder Aufgabe, zeichnen sich deutlich die Umrisse einer kalten, traurigen Realität ab. Für sein spätes Bühnenwerk hat der Komponist die verschiedenen Welten eindringlich charakterisiert und mal schwelgerisch und schmerzvoll, mal surreal und flimmernd umgesetzt.

Komponiert hat Dvorák seine vorletzte Oper übrigens in der Zeit einer besonders schöpferischen Gemütsruhe an seinem Sommersitz, wo sich unter anderem ein Waldtümpel unter alten Bäumen befand, mit einer grünen Wiese und mit Ausblick auf ein Renaissanceschlösschen.

Es verwundert also nicht, dass seine schöpferische Genialität in der Märchen-Oper ihren Gipfel erreichte. Denn der Zauber dieser Atmosphäre inspirierte ihn zur Schaffung einer eigentümlichen, farbig-impressionistischen Musik voller melodischer Phantasie und meisterhafter Instrumentierung, die klassische Tradition mit der slawischen Nationalmusik vereint, ohne an Authentizität zu verlieren. Gesungen wird in Tschechisch mit deutschen Untertiteln. (imr)