Karnevalsverbot im Ersten Weltkrieg

 

Kriegsstimmung statt Karneval

Karnevalsveranstaltungen sind in der Region derzeit an der Tagesordnung. Der Höhepunkt der närrischen Zeit steht kurz bevor. Vor 100 Jahren sah dies ganz anders aus: Im ersten Weltkrieg wurde nämlich ein Karnevalsverbot verhängt. Davon berichtet das neueste Rheinbreitbacher Heimatheft.

Karneval 1915 (Quelle_Heimatarchiv Rheinbreitbach)

Karnevalsumzüge waren ab 1915 zwischen Koblenz und Rheinbreitbach verboten.
Bild: Heimatarchiv Rheinbreitbach

Ende 1914 wurde vom stellvertretenden Generalkommando Nr. VIII in Koblenz bekannt gegeben, dass in der Zeit, in der traditionell an vielen Orten karnevalistische Vorträge und Versammlungen stattfinden, auf diese auf Grund der ernsten Kriegslage freiwillig verzichtet werden solle.

Vermutlich aus Sorge, dass dennoch solche belustigenden Veranstaltungen stattfinden würden, auf denen auch kritisch über Politik und den Krieg gesprochen werden könnte, erfolgte für den Armeebezirk VIII Koblenz Ende Januar 1915 ein Verbot von Kundgebungen karnevalistischer Art zwischen dem 1. und 17. Februar.

Der Armeebezirk VIII Koblenz umfasste laut Thomas Napp „die ganze Rheinschiene von Rheinbreitbach bis Koblenz“. Der stellvertretende Archivar hat das neuste Heimatheft des Heimatvereins Rheinbreitbach zusammengestellt.

Das Verbot beinhaltete den Ausschank von Branntwein, das Tragen von Kostümen und Verkleidungen, das Singen karnevalistischer oder lustiger Lieder und den Verkauf von Konfetti oder Luftschlangen. Bis zum Kriegsende 1918 blieb es in Kraft. Erst in der Weimarer Republik durften die Menschen wieder Karneval feiern.

Das Heimatmuseum selbst besitzt laut Napp keine Originalquellen, die das Karnevalsverbot dokumentieren. Interessant sei aber die Rheinbreitbacher Karnevalschronik, die sich im Depot des Karnevalsvereins befindet: „Da kann man das so ein bisschen nachvollziehen, weil der letzte Eintrag 1914 erfolgt. 1915 fehlt dann einfach der Eintrag, genau wie 1916, 1917 und 1918 auch noch.“

Das Heimatheft „Ein Dorf im Großen Krieg – Quellen zur Geschichte Rheinbreitbachs 1914-1918“ beinhaltet eine Sammlung und Auswertung von Quellen, Fotos und Zeitungsausschnitten aus der Zeit des Ersten Weltkriegs und lässt so das Leben an der „Heimatfront“ im Rheinland lebendig werden. Für 8 Euro ist es etwa im Vorteil-Center Unkel erhältlich.

 

 

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