Marken des Alltags: Langnese

 

Like Ice in the Sunshine

Wer die Geschichte der Marke Langnese erzählen möchte, der sollte zunächst einmal erwähnen, dass es ja zwei Labels dieses Namens gibt: Langnese-Eis und Langnese-Honig. Natürlich ist es kein Zufall, dass die beiden Marken, die seit Jahrzehnen getrennt voneinander erfolgreich koexistieren, gleich heißen: Sie haben denselben Vater, der zwar nicht diesen Namen trug, ihn jedoch kaufte – zu einem überaus günstigen Preis.

Klassiker aus den 1950er Jahren: Capri von Langnese
Bild: Hersteller

Der junge Importkaufmann Karl Rolf Seyferth erwarb im Jahr 1925 an der Hamburger Börse 5000 Kilogramm kalifornischen Honigs. Obwohl seine „Deutsch-Chinesischen Eiprodukte Gesellschaft“ überhaupt noch nicht mit dem süßen Brotaufstrich gehandelt hatte, entwickelte sich hieraus ein florierender Geschäftszweig. Auf der Suche nach einem prägnanten Markennamen dafür inserierte Seyferth 1927 im „Hamburger Fremdenblatt“. Darauf meldete sich der Exportkaufmann Viktor Emil Heinrich Langnese, Inhaber einer 1888 gegründeten Biskuit-Fabrik mit hervorragendem Ruf.

Während der Verhandlungen in einem Hamburger Schlemmerrestaurant machte Langnese deutlich, dass er seinen Namen nur in gute Hände zu legen gedenke. Als Seyferth nach dem Kaufpreis für die Marke fragte, bekam er die gönnerhafte Antwort: „Für Sie, junger Mann, 300 Reichsmark und die Rechnung für das heutige Essen.“ Das war selbst damals fast geschenkt.

Nachdem mit Übernahme der Firmierung V.E.H. Langnese zunächst die Marke Langnese-Honig geboren war, importierte Seyferth im Frühjahr 1935 eine Innovation aus Dänemark: Eis am Stiel. Der heiße Sommer und ein Preis von zehn Pfennig sorgten dafür, dass in der ersten Saison mehr als 1,5 Millionen „Eislollis“, wie der Volksmund das Langnese-Eis nannte, verkauft wurden.

Bereits ein Jahr später bremste aber die NS-Regierung den Erfolg, als Seyferth die notwendigen Milch- und Sahnelieferungen verweigert wurden. Die Unilever-Tochter „Margarine-Verkaufs-Union“ übernahm die Firma, die als „Langnese-Eiskrem GmbH“ im Jahre 1937 bereits 20 Millionen Stieleis produzierte. Doch 1940, ein Jahr nach Kriegsausbruch, musste die Eisproduktion aufgrund von Rohwarenknappheit zunächst eingestellt werden.

Obwohl Hamburg noch in Trümmern lag, wurde die Speiseeisherstellung im Stammwerk Wandsbek bereits 1948 wieder aufgenommen. Nachdem in den 1950er Jahren der Klassiker „Capri“ auf den Markt gekommen war, brachte das Unternehmen in den 1960ern mit „Split“, „Nogger“ und „Cornetto“ weitere bis heute erfolgreiche Submarken heraus. Ab 1968 vereinte die „Königsrolle“ die drei beliebtesten Eisgeschmacksrichtungen Vanille, Schoko und Erdbeer. Die Produktion wurde nach Heppenheim verlagert – mittlerweile eines der größten Eiskremwerke Europas.

Nachdem das Honiggeschäft 1959 in eine eigenständige Gesellschaft ausgegliedert und an den Oetker-Konzern verkauft worden war, wurden die beiden Unilever-Töchter Langnese und Iglo 1962 vereinigt.

In den 1970ern kam „Dolomiti“ auf den Markt, in den 1980ern folgten der „Flutschfinger“ und die bis heute beliebte Eiswelle „Viennetta“. Im Juni 1998 revolutionierte Langnese das Premium-Segment mit „Cremissimo“. Das seit 1965 genutzte Logo „Markise“ wurde im selben Jahr durch die von Unilever weltweit eingesetzte Bildmarke „Heartbrand“ ersetzt.

Übrigens: Wer sich die Lebensfreude der Achtziger zurückholen möchte, dem sei ein Klick auf den legendären TV-Spot „Like Ice in the Sunshine“ von 1985, etwa auf Youtube, empfohlen. (cm)

 

 

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