Der Eitorfer war dabei


Löhr und das Jahrhundertspiel

Bereits das Viertelfinale der Fußball-WM 1970 zwischen Weltmeister England und Deutschland, bei dem der in Eitorf geborene Hannes Löhr in der 108. Minute per Flanke das 3:2-Siegtor von Gerd Müller vorbereitet hatte, war ein Jahrhundertspiel. Doch das Halbfinale, bei dem Deutschland – ebenfalls nach Verlängerung – mit 3:4 Italien unterlag, stellte dies in den Schatten. Das Duell  gilt als eines der dramatischsten Spiele der Fußballgeschichte und die WM von 1970 als die fußballerisch bisher beste.

Der Mann mit dem Torriecher: Von Eitorf 09 – das große Bild zeigt Hannes Löhr in der A-Jugend seines Heimatvereins – ging es für „de Nas“ über die Sportfreunde Saarbrücken zum „EffZeh“.
Bilder: Gemeindearchiv Eitorf

Dass Johannes Löhr Fußballer wurde, verdanken wir seinem älteren Bruder. Der war Torwart bei Eitorf 09 und sein großes Vorbild. Bereits als Sechsjähriger wurde Hannes auf der Position des Mittelstürmers bei der G-Jugend der „09er“ eingesetzt. Mit 18 Jahren – er gehörte inzwischen zur 1. Mannschaft – wurde Löhr von den Sportfreunden Saarbrücken entdeckt. Diese spielten in der Oberliga, der damals höchsten Spielklasse. Löhr erhielt neben dem Spielervertrag die Zusicherung, seine in Eitorf begonnene Schlosserlehre an der Saar beenden zu können. 1962 wechselte er zu den Sportfreunden, die sich im Jahr darauf, als die Bundesliga startete, in der Regionalliga Südwest wiederfanden.

Sein Debüt beim Kölner „EffZeh“ feierte Löhr passenderweise beim Spiel gegen seinen Ex-Club am 12. August 1964, bei dem er auch das erste Tor für den 1. FC Köln erzielte – es folgten weitere 165 in 381 Bundesligaspielen für die Kölner. Löhr, der wegen seines überdimensionierten Riechorgans von den Fans den Spitznamen „de Nas“ verpasst bekommen hatte, feierte im FC-Trikot 1968 seinen ersten von drei Pokalsiegen.

Schon Bundestrainer Sepp Herberger, der Löhr als einzigen Regionalligaspieler in den Kader seines letzten Länderspiels am 7. Juni 1964 gegen Finnland berufen hatte, war überzeugt: „Da hat Köln einen guten Fang gemacht.“ Tatsächlich in der Nationalelf eingesetzt wurde er jedoch erst am 22. Februar 1967, als Deutschland mit 5:1 gegen Marokko gewann. Er steuerte bei seiner Premiere gleich ein Tor bei. Es folgten 19 weitere A-Länderspiele.

Das Jahrhundertspiel bei der WM in Mexiko, wo Löhr alle sechs Partien bestritt, verzückte die Presse. „Es ist unmöglich, dass sich etwas Derartiges wiederholt – 120 Minuten konzentrierter Fußball, Drama, Kunst, Kraft, Hysterie, alles!“, schrieb Il Heraldo. Die Zuschauer hätten das großartigste Ereignis ihres Lebens gesehen. Der Excelsior beschwor die „Wiedergeburt des Fußballs im wunderbarsten, dramatischsten und herrlichsten Spiel aller Zeiten“.

International erfolgreich war Löhr nicht nur mit dem DFB, sondern auch mit dem FC – drei europäische Halbfinale (1969, 1971, 1975) erreichte er. Unter Hennes Weisweiler wurde Löhr 1977 Deutscher Pokalsieger und gewann im Folgejahr das „Double“.

Nach seinem Abschiedsspiel am 27. Oktober 1978 war Löhr ab 1980 zunächst Manager (bis 1983) und anschließend Trainer (bis 1986) in Köln. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul führte er die deutsche Auswahl zur Bronzemedaille. Ab 1990 war er zwölf Jahre lang für die U21-Nationalmannschaft zuständig.

Der stets gut gelaunte Löhr ließ sich auch von mehreren gesundheitlichen Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen. Er starb am 29. Februar 2016 im Alter von 73 Jahren in Köln.

Übrigens: Auf der Speisekarte der unweit des Rheinenergiestadions befindlichen Gaststätte „Haus Marienbild“ fand man jahrelang ein „Torschützensteak à la Löhr“. (cm)

 

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