Menschlichkeit, Empfindung und Herz

Sie zählt zu den beliebtesten Opern der Welt – die Geschichte um vier verarmte Künstler, deren Lebenswandel unausweichlich auf eine Katastrophe zusteuert. Puccinis „La Bohème“ berührt die Herzen seit der Uraufführung am 1. Februar 1896 in Turin. „Da ist Menschlichkeit, da ist Empfindung, da ist Herz. Und da ist vor allem Poesie“, stellte der Komponist einst selbst fasziniert fest. Sein Meisterstück wird in der zeitlosen Inszenierung von Franco Zeffirelli am Samstag, 5. April, ab 19 Uhr, live via Satellit, in bester Full-HD-Qualität und in italienischer Sprache mit deutschen Untertiteln aus der MET New York ins Asbacher Cine 5 übertragen.

La Boheme

Ausgelassene Stimmung beim Weihnachtsfest – doch am Ende wartet der Tod.
Bild: MET

Als Vorlage für „La Bohème“ diente der Roman „La Vie de Bohème“ von Louis Henri Murger. Puccini war sofort von der Lektüre hingerissen und sicher, hier einen geeigneten Stoff für sich gefunden zu haben: „Das Buch nahm mich mit einem Schlag gefangen. In jener Umgebung von Studenten und Künstlern fühlte ich mich sofort zu Hause. In dem Buch war alles, was ich suchte und liebe: die Frische, die Jugend, die Leidenschaft, die Fröhlichkeit, die schweigend vergossenen Tränen, die Liebe mit ihren Freuden und Leiden.“

Zuvor hatte sich der Opern-Primus bereits mit „Edgar“ und mit „Manon Lescaut“ als genialer musikalischer Kolorist erwiesen, doch erst mit „La Bohème“ erreichte er jene Übereinstimmung zwischen dem Stoff und seiner musikalischen Gestaltung, die er immer angestrebt hatte.

Die Handlung entführt ins Paris anno 1830. Über den Dächern der Metropole fristen Dichter Rodolfo, Maler Marcello, Musiker Schaunard und Philosoph Colline ihr ärmliches Künstlerdasein. Selbst an Weihnachten fehlt es ihnen an allem. Dennoch wollen sie in ihrem Stammcafé Momus im Quartier Latin feiern.

Rodolfo will später nachkommen. Doch die schwindsüchtige Nachbarin Mimi hält ihn auf. Im dunklen Zimmer kommen die beiden sich schnell näher. Zusammen folgen sie den Freunden dann zu Momus. Auch Musetta, die ehemalige Geliebte Marcellos, ist unter den Gästen. Obwohl sie mit dem reichen, aber alten Alcindoro zusammen lebt, liebt sie Marcello noch immer.

Die beiden versöhnen sich. Alcindoro bleibt nur, die Rechnung für alle zu bezahlen. Lange hält das junge Glück allerdings nicht vor. Marcello verfällt in alte Eifersucht und auch Rodolfo und Mimi können nicht miteinander leben – zu krank ist Mimi. Schweren Herzens trennen sich die beiden Paare.

Zauber vom ersten Bild an

Wieder in der Mansardenwohnung, spielen sich die Künstlerfreunde gegenseitig Ausgelassenheit vor. Man feiert bis überraschend Musetta mit der todkranken Mimi eintritt. Nun ist alle Eifersucht vergessen. Jeder versucht, etwas für Mimi zu tun, doch vergebens: Sie stirbt.

In „La Bohème“ verbreiten Puccinis impressionistische Klangtechnik und die musikalischen Schilderungen des Ambientes ihren Zauber vom ersten Moment an. Mit dem Libretto wurden Luigi Illica und Giuseppe Giacosa beauftragt, die nach „La Bohème“ auch noch „Tosca“ und „Madama Butterfly“ gemeinsam mit Puccini erschaffen sollten.

Weil das Textbuch nicht in Akte, sondern in Bilder gegliedert ist, die nur durch das Band der Liebesgeschichte zwischen Rodolfo und Mimì zusammengehalten werden, trägt „La Bohème“ in dramaturgischer Beziehung Züge eines Experiments, das im Schaffen Puccinis ohne Wiederholung geblieben ist.

 

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.