„La Traviata“ wird ins Cine5 übertragen

 

Missverständnis mit tödlichem Ausgang

Neben Mozarts „Zauberflöte“ ist sie wahrscheinlich die beliebteste aller Opern: „La Traviata“. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe der Live-Übertragungen wird Giuseppe Verdis Meisterwerk am Samstag, 11. März, ab 19 Uhr, direkt aus der New Yorker Metropolitan Opera in bester HD-Qualität ins Cine5 in Asbach ausgestrahlt. Im Mittelpunkt steht Sopranistin Sonya Yoncheva, die als beste „La Traviata“-Protagonistin der Welt gehandelt wird und hier erneut ihr Können in der Rolle der geächteten Kurtisane unter Beweis stellt.

Sopranistin Sonya Yoncheva ist in „La Traviata“ in der Titelrolle zu sehen und zu hören.
Bild: Ken Howard / Metropolitan Opera

Neubeginn und Ende, Aufschwung und Abschluss, Tod und Verklärung – kaum ein musikalisches Bühnenwerk steht so sehr für diese Gegensätze und die Vergänglichkeit menschlichen Lebens und des Glücks wie Verdis „La traviata“ oder die „vom rechten Weg Abgekommene“ – dargestellt am Schicksal der Edelmätresse Violetta Valery, einer im Grunde edlen Seele, die erst die wahre Liebe kennenlernt, als ihre Gesundheit bereits ruiniert ist. Sie wird bewundert und verehrt, aber geliebt wird sie nicht.

So bleibt sie einsam in allem Trubel, den Festen und Gesellschaften, in denen sie sich bewegt und mit denen sie sich betäubt. Der junge Alfredo Germont jedoch ist eine andere Sorte Mann als die, die sie gewohnt ist. Er scheint es ernst zu meinen, wenn er ihr Komplimente macht und ihr seine Liebe gesteht. Zum ersten Mal glaubt die Edel-Prostituierte, dass es einem Mann wirklich um sie geht. Fern von Paris erleben die beiden eine Zeit vollkommenen Glücks, doch ihre Vergangenheit lässt Violetta nicht los. Alfredos Vater Giorgio allerdings sieht durch die Beziehung seines Sohnes die gesellschaftliche Stellung seiner Familie bedroht.

Gott vergibt, die Gesellschaft nicht

Und obwohl die Kurtisane ihn selbst beeindruckt, bittet er sie eindringlich, sich von seinem Sohn zu trennen. Bevor die Schwindsucht dann ihrem unglücklichen Leben ein Ende macht, muss sie erkennen: Einen Fehltritt, den Gott vergibt, verzeiht die bürgerliche Gesellschaft noch lange nicht. Wer einmal vom vermeintlich rechten Weg abweicht, bekommt keine zweite Chance. Schlussendlich bleibt Violetta nichts als die Erinnerung an ein mögliches Glück übrig.

„La Traviata“ bildet den Abschluss eines Operntrios, das Verdi in den Jahren von 1850 bis 1852 schrieb.

Dabei hatte er sich nach dem Narren in „Rigoletto“ und der Zigeunerin Azucena im „Trovatore“ mit der Edelmätresse abermals von einer Außenseiterfigur inspirieren lassen. „Ich wüsche neue, grandiose, schöne, abwechslungsreiche, kühne Stoffe“, soll der Starkomponist gesagt haben, bevor er sich für den Roman „La Dame aux Camélias“ – Die Kameliendame von Alexandre Dumas dem Jüngeren – als Vorlage für „La Traviata“ entschieden hat.

Premierenpublikum überfordert

Beider Vorbild war die berühmte Pariser Kurtisane Marie Duplessis, die 1847 im zarten Alter von 23 Jahren verstarb. Indem Verdi ihr kurzes, intensives Leben musikalisch aufarbeitete, schuf er die erste Oper nach einem zeitgenössischen, sozial motivierten Stoff überhaupt. Daher wundert es auch kaum, dass dieses Drama bei der Uraufführung in 1853 in Venedig zunächst ein spektakuläres Fiasko wegen des moralisch überforderten Premierenpublikums war, doch nur wenig später die Bühnen Europas eroberte. Und weil dieses Seelengemälde mit Musik von kristalliner Klarheit, seinen schwebenden Ouvertürenklängen, perlenden Koloraturen sowie einer berührenden Wärme und schneidendem Schmerz das Herz rührt und bewusst an das Gerechtigkeitsempfinden des Zuhörers appelliert, ist die Popularität von „La Traviata“ bis heute ungebrochen hoch. (imr)