Marken des Alltags: NUK


Natürliche, kiefergerechte Beruhigungssauger

Wenn es um Schnuller – im Fachjargon Beruhigungssauger – geht, dann ist hierzulande die Marke NUK in aller (Säuglings-)Munde. Die Buchstaben stehen selbstverständlich nicht für „nuckeln“, denn dann würde ja ein „C“ fehlen, doch die Assoziation war vermutlich schon gewollt. Jedenfalls ist es die Abkürzung der Worte „Natürlich und Kiefergerecht“. Das sind die Eigenschaften, die bei der Entwicklung im Fokus standen.

Auf der Verpackung des ersten NUK-Flaschensaugers war noch ein Hinweis auf einen der Erfinder zu finden.
Bild: Hersteller

Er wird in unzähligen Familien tagtäglich oder vielmehr „nachtnächtlich“ eingesetzt – der Schnuller. Sobald man ihn in Babys Mund steckt, ist Ruhe, zumindest im Idealfall. Zu verdanken ist diese Erfindung unter anderem den Zahnmedizinern Wilhelm Balters und Adolf Müller. Sie entwickelten ihren Schnuller 1949 als Alternative zum Daumenlutschen, da dies häufig zu Zahnfehlstellungen führte. Entscheidend war neben dem Material – flüssiger Latex – die asymmetrische Form, die sich die beiden patentieren ließen.

Nachdem das Hanseatische Gummiwerk Bachmann und Co. KG das Patent 1956 gekauft hatte, brachte die Firma den Beruhigungssauger sowie einen Trinksauger für Flaschen und einen Kieferformer unter dem Namen NUK auf den Markt. Die Verbraucher waren zunächst skeptisch. Doch als man begann, Hebammen zu besuchen, um die Vorteile der Sauger zu erklären und gleichzeitig das allgemeine Interesse an der Zahngesundheit stieg, boomte der Absatz. Ende der 1950er Jahre war die Marke NUK schon fast jeder Mutter in der Bundesrepublik ein Begriff.

Da sich das Milchpulver, das in den 1960ern als neuartige Babynahrung auf den Markt kam, nur schwer in die bis dato üblichen, enghalsigen Flaschen füllen ließ, brachte NUK eine Flasche mit großer Öffnung heraus. Kurz darauf folgte ein Schraubverschluss, der tropffreies Schütteln und Transportieren ermöglichte. 1967 übernahm die französische MAPA SA die Hanseatische Gummiwarenfabrik, die zwei Jahre später in MAPA Gummi- und Plastikwerke umbenannt wurde.

Als in den 1970ern immer seltener zu Hause entbunden wurde, ließen sich die Produktentwickler in Krankenhäusern vom Personal inspirieren. Auf dieser Basis führte NUK den weltweit ersten Einwegsauger für Flaschen ein – vordesinfiziert und einzeln verpackt. Die größte Innovation war 1979 der Ventilsauger. Da nun kein Vakuum mehr im Inneren der Flasche entstand, schluckten die Babys weniger Luft und bekamen seltener Bauchweh. Ende der 1970er Jahre waren NUK-Erzeugnisse bereits in über 48 Ländern erhältlich.

In den 1980er Jahren entwickelte NUK weitere Produkte wie den „Vaporisator“ zur Dampfdesinfektion. Zudem gab es nun den Silikonschnuller als Alternative zum Latexschnuller.

Neueste Erkenntnisse ergaben in den 1990ern, dass neben der kiefergerechten Form auch die Größe eines Saugers wichtig ist. NUK reagierte mit dem „mitwachsenden“ Größenkonzept. Außerdem brachte man einen auslaufsicheren Trinkbecher heraus, der Kindern half, früher selbstständig zu trinken. In den 2000er Jahren folgte als weitere Innovationen ein Babykostwärmer, der dank Lichttechnologie auf Wassereinsatz verzichten konnte. Seit 2010 gehört MAPA zur US-amerikanischen Jarden Corporation.

Erste Gummi-Schnuller hatte es übrigens bereits im 19. Jahrhundert gegeben, doch das Material war meist knüppelhart und enthielt zudem oft auch noch giftige Zusatzstoffe. (cm)

 

 

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.