„Nie war er so wertvoll wie heute!“

Über 90 Prozent aller Deutschen kennen das Produkt – und es ist ein echter Klassiker unter den freiverkäuflichen Arzneimitteln: „Klosterfrau Melissengeist“. Jeder dritte Bundesbürger hat es schon einmal eingenommen oder sich damit eingerieben. Die „Natur-Arznei für Kopf, Herz, Magen, Nerven“, so lautet es auf dem Etikett der berühmten Flasche, ist seit Generationen in fast jedem deutschen Haushalt zu finden.

Maria Clementine Martin

Maria Clementine Martin, Gründerin des Unternehmens Klosterfrau
Bild: Klosterfrau

Die 1775 in Brüssel geborene Maria Clementine Martin trat 1792 als Ordensschwester in das Kloster St. Anna in Coesfeld ein, wo sie sich in den folgenden zehn Jahren intensiv mit der Pflanzenheilkunde auseinander setzte. Ihr wurde – als angehender Klosterapothekerin – unter anderem eine Rezeptur zur Herstellung des „ächten Carmeliter- und Melissenwassers“ anvertraut. Der Name bezieht sich auf den weiblichen Zweig des Karmeliten-Ordens.

Für ihren tapferen Einsatz in der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815, der letzten Schlacht Napoleon Bonapartes vor seinem endgültigen Machtverlust, erhielt Maria Clementine Martin von Preußen-König Friedrich Wilhelm III. eine jährliche Leibrente von 160 Goldtalern.

Nachdem sie im Jahr zuvor nach Köln gekommen war, um den 86-jährigen Domvikar Gumpertz zu pflegen, gründete sie 1826 – dank der Leibrente finanziell abgesichert – am Fuße des Doms den Destillationsbetrieb „Maria Clementine Martin Klosterfrau“. Hier begann sie mit der Herstellung des von ihr weiterentwickelten Melissengeistes.

Im November 1829 fragte Maria Clementine Martin bei ihrem Gönner Friedrich Wilhelm III. an, ob sie das preußische Wappen auf den Etiketten ihrer Waren führen dürfe, was man ihr noch im selben Jahr gestattete. Dieses unverwechselbare Markenzeichen ließ sich die Unternehmerin 1831 beim Rat der Gewerbeverständigen der Stadt Köln eintragen und richtete noch im selben Jahr die ersten Generalvertretungen in Bonn, Aachen und Berlin ein.

Angesehene Persönlichkeit

Als Maria Clementine Martin, die in Köln nur „die Klosterfrau“ genannt wurde und eine angesehene Persönlichkeit war, am 9. August 1843 starb, trauerte die ganze Stadt. Sie wurde auf dem Melaten Friedhof unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt. Ihr Gehilfe Peter Gustav Schaeben übernahm die florierende Firma.

Flasche Klosterfrau Melissengeist

Flasche Klosterfrau Melissengeist um 1926
Bild: Klosterfrau

In den 1920er Jahren steigerte sich deren Wachstum nochmals deutlich: Zunächst entwickelte man das Logo mit den drei Nonnen im gotischen Spitzbogen. Außerdem wurde die Marke 1923 beim Reichspatentamt Berlin geschützt. Und schließlich setzte der neue Firmeninhaber Konsul Wilhelm Doerenkamp ab 1929 massiv auf Werbung. Nachdem der völlig zerstörte Kölner Betrieb ab 1945 unter seiner Führung wieder aufgebaut worden war, leitete er ihn noch bis zu seinem Tod 1972.

Ein Jahr zuvor war in Berlin-Marienfelde ein hochmodernes Arzneimittelwerk errichtet worden, da die Kapazität in Köln inzwischen nicht mehr ausreichte. Hier werden bis heute die meisten Produkte für das Haus Klosterfrau – rund 250 verschiedene Naturheilmittel – hergestellt. Darunter finden sich beispielsweise der Erkältungsbalsam „Broncholind“, das „Japanische Heilpflanzenöl“ und „allergin“ – ein Mittel gegen Heuschnupfen.

Die Heilkraft der Melisse war dem griechischen Philosophen und Naturforscher Theophrastos übrigens schon um 300 v. Chr. bekannt. Und der große Medizinreformator Paracelsus schrieb im16. Jahrhundert: „Melissa erneuert alle Kräfte des Körpers.“ Heute verbindet man das Lippenblütengewächs allerdings mit einer Frau – der Klosterfrau.

 

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