Junge Wildtiere brauchen, auch wenn sie alleine sind, meistens keine Hilfe

 

Nur gucken, nicht anfassen

Es ist sicher gut gemeint: man entdeckt beim Spaziergang niedliche, vermeintlich allein gelassene Tierbabys und will helfen. In den meisten Fällen ist dies nicht nur unnötig, sondern für die Jungtiere sehr gefährlich. Darauf macht das Veterinäramt des Rhein-Sieg-Kreises aufmerksam.

Ein Rehkitz alleine im hohen Gras sollte keinesfalls angefasst oder gar mitgenommen werden, warnt das Veterinäramt des Rhein-Sieg-Kreises.
Bild: Shaendle

Rehkitze werden im Mai und Juni geboren. Ihre Mütter legen sie auf Feldern und Wiesen im Schutz hohen Grases ab und halten sich selber von den Kitzen fern, da sie ihr Junges nicht in Gefahr bringen wollen. „Wenn Spaziergänger also ein junges Wildtier alleine liegend auffinden, ist es in der Regel zunächst normal“, sagt der Leiter der Abteilung Tiergesundheit beim Kreisveterinäramt, Dr. Klaus Mann. Die Mütter kommen nur zum Säugen oder Säubern ihres Nachwuchses zurück.

Vorsicht vor falsch verstandener Tierliebe

Diese Jungtiere benötigen also zumeist keine Hilfe – eher das Gegenteil ist der Fall: Abstand halten lautet das oberste Gebot. Denn: Die neugeborenen Tiere haben nur einen sehr geringen Eigengeruch, um vor Feinden geschützt zu sein. Werden sie von Menschen berührt, nehmen sie deren Geruch an. Dieser „Menschengeruch“ führe aber dazu, dass die Jungtiere von den Müttern nicht mehr genährt werden“, so Dr. Mann. Gleiches gilt beispielsweise für Feldhasen.

Auch junge, oft auch schon befiederte Vögel benötigen trotz vermeintlicher Hilferufe in der Regel keine Unterstützung. Sie geben ihren Eltern lediglich ihre Position durch lautstarkes Rufen kund. Eine Ausnahme gibt es aber: Einen nackten, frisch aus dem Ei geschlüpften Vogel, der aus dem Nest gefallen ist, darf man wieder hineinsetzen. Vogeleltern stören sich nicht am menschlichen Geruch.

Gerechtfertigt ist darüber hinaus Hilfe für junge Wildtiere mit Verletzungen. Aber auch dann sollte man wohlüberlegt handeln: „Holen Sie sich fachkundigen Rat ein“, empfiehlt der Veterinärmediziner. Tipps zum richtigen Verhalten erteilen in so einem Fall etwa das Veterinäramt, ein Tierarzt, der Jagdpächter oder auch das Forstamt. Wer hingegen „den Wildnachwuchs aus falsch verstandener Tierliebe mitnimmt, bringt ihn auf diese Weise möglicherweise in Lebensgefahr“, so Dr. Mann weiter. „Auf jeden Fall setzt man die Tiere großem Stress aus.“ (red)

 

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.