Große Köpfe aus dem RWN-Land: Hermann Honnef

 

Pionier der Windkraft kam aus Bad Honnef

Die Thematik ist für die ganze Nation wie auch für die RWN-Region hochaktuell. Viele Gutachter sind tagtäglich mit der Abwägung des Für und Wider beschäftigt. Die Rede ist von der Windkraft bzw. deren Nutzung zur Energiegewinnung. Ein echter Pionier der Windkraft stammt aus Bad Honnef und heißt zudem auch so.

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Das Höhenwindkraftwerk nach Hermann Honnef hat es sogar auf eine Postkarte des W. Meyerheim-Verlags geschafft.

Hermann Honnef, geboren am 19. Juli 1878 auf der Rheininsel Grafenwerth, begann im Alter von 15 Jahren eine Lehre in Rheinbrohl. Nach dem Ersten Weltkrieg gründete er die Honnef-Werke in Dinglingen bei Lahr und arbeitete an Windkraft-Projekten. Zwar hatte es schon vor ihm Versuche auf diesem Gebiet gegeben, doch sie scheiterten an der wechselnden Windstärke und der dadurch wechselnden Stärke des Stroms.

Nach dem Konkurs seiner Werke 1931 siedelte Honnef nach Berlin über. Zwischen 1941 und 1944 wurde in Bötzow-Velten bei Berlin eine Reihe Honnef-Windkraftwerke gebaut und in Betrieb genommen, doch mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges musste Honnef die Arbeiten aufgeben.

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ schrieb in seiner Ausgabe vom 10. November 1949 über den Ingenieur aus Rheinbrohl: „Es geht um eine Sache, die aus der Luft gegriffen werden soll, und um acht Millionen DM. Die Sache ist Elektrizität, gewonnen aus Wind-Kraft. Die acht Millionen sind nötig, um das erste Wind-Elektrizitätswerk der Welt zu finanzieren. Das Windkraft-Projekt entsprang dem Kopf des Ingenieurs Hermann Honnef, bei Lütjenburg in Schleswig-Holstein soll es verwirklicht werden.“

Honnef hatte sich diese Gegend ausgesucht, weil dort beste Wasser- und Windverhältnisse herrschten. Er wollte die Windschwankungen überwinden, indem er erstens: einen 250 Meter hohen Stahlturm für seine Anlage plante – eine Höhe, in der mit Windmangel kaum zu rechnen war, zweitens: einen getriebelosen, gegenläufigen Generator verwendete, drittens: Rotorflügel mit großem Durchmesser (180 m) montierte und diese viertens mit einer Kippvorrichtung versah, die bei stärkerem Wind für geringere Angriffsflächen sorgte und die Umdrehungsgeschwindigkeit konstant hielt.

Insgesamt 19 dieser Türme sollten den Bedarf von Schleswig-Holstein und Hamburg decken – und das billig: Honnef rechnete aus, dass eine Kilowattstunde reiner Wind-Elektrizität nicht einmal einen Pfennig kosten würde – einen Bruchteil des Preises für den aus Kohle gewonnenen Strom.

Der „Ausschuss für Windkraft“ des Hamburger Senats verkündete am 31. Mai 1949 jedoch, dass sich die Finanzlage der Landesregierung derart verschlechtert habe, dass „keinerlei Unterstützungen bei Bearbeitung des Windkraftproblems gewährt werden können.“ Das Lütjenburg-Projekt wurde nicht realisiert. Immerhin erhielt Honnef 1952 das Große Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste um die Nutzung der Windkraft zur Energiegewinnung.

Er verstarb am 30. Juni 1961 in Rheinbrohl. Dass die Windenergie heute neben den anderen erneuerbaren Energien wie Sonnenenergie, Wasserkraft, Meeresenergie, Erdwärme und Bioenergie eine bedeutende Rolle im Rahmen der Energiewende spielt, hätte Hermann Honnef sicher mit Freude und Genugtuung erfüllt. Ob er sie gerne auch am Mittelrhein realisiert hätte, ist nicht bekannt.

 

 

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