Die Geschichte des heißen Steins ist in der RWN-Region tief verwurzelt

 

Plätzchen aus dem Backes

Wenn in diesen Wochen wieder Plätzchenbacken ansteht, dann ist in vielen Haushalten modernste Technik am Werk. Dass dies nicht immer so war, davon zeugen im RWN-Gebiet noch zahlreiche Baudenkmale besonderer Art: Ein Backes gehörte dereinst sogar in fast jedem Ort zur Infrastruktur.

Frisches Brot aus dem Backes: Nicht nur in Dattenberg lebt diese alte Tradition wieder auf.
Bild: H. W. Lamberz (Archiv)

Im Zuge von Neubaumaßnehmen oder Straßenbauprojekten sind vor Jahren viele der ausrangierten Backhäuser dem Abbruchbagger zum Opfer gefallen. Aber inzwischen werden die verbliebenen Relikte der Heimatgeschichte an vielen Orten gepflegt und gehegt, zumeist von Ehrenamtlichen oder ganzen Vereinen. Die RWN sammelte einige Beispiele dafür.

Der Backes der Neuzeit hat viele Freunde, wie der Windhagener Heimat- und Verschönerungsverein belegen kann. Als er im Frühjahr 2018 den wiedererrichteten Backofen mit einem eigenen Backkurs in Betrieb nehmen wollte, musste wegen der großen Nachfrage gleich ein zweiter Termin organisiert werden. Kursteilnehmer berichteten davon, dass der Ofen bereits Stunden vorher „mit Schänzchen (Reisigbündeln) und Holzkloben“ beschickt werden musste.

Eine Prozedur, die in Dattenberg vor Jahrzehnten nach striktem Zeitplan ablief, denn nach dem zweiten Weltkrieg legte hier eine Backes-Ordnung fest, welche Familien wann stochern durften. Eine eigene Backesbürgergemeinschaft wurde in Dattenberg inzwischen gegründet.

Nicht nur zum Brotbacken war ein Backes gut.  Zur Herbstzeit wurden hier auch Apfel und andere Obstsorten in haltbares Dörrobst verwandelt. Die Region Königswinter galt übrigens lange Zeit als Zentrum der Ofenbauer, die Konkurrenz saß damals in Westerburg. Dort zeugt heute noch ein Backes-Museum von der Geschichte der heißen Steine.

Neben den Geschichten vom Erhalt alter Gemäuer gibt es sogar Meldungen über „Neubauten“. Beispielsweise aus Rott. Dort wurde ein alter Backofen in einem Bauernhaus Stein für Stein abgetragen und 1986 im inzwischen errichteten schmucken Fachwerkbackhaus wieder eingebaut. In der Region Westerburg gibt es übrigens sogar alljährliche Backeswanderungen, natürlich mit zünftiger Brotzeit zum Finale.

Dass im historischen Backes auch Plätzchen gebacken werden können, das belegte im vergangenen Jahr die Kindergartenkinder in Leubsdorf. Der Förderverein der Kita St. Walburgis hatte dafür dem alten Backes im Dorf noch einmal Leben eingehaucht. (fu)

 

 

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