Rasenmäher auf vier Beinen im Einsatz

Da könnte so mancher Rasenbesitzer neidisch werden: Der Nabu Altenkirchen braucht keinen Benzin-Rasenmäher und auch keinen Rasenroboter. Und dennoch funktioniert das Mähen beinahe automatisch.

Genügsame Art: Die Schafherden in Altenkirchen müssen fast das ganze Jahr hindurch mit relativ eiweißarmer Nahrung auskommen.
Bild: Nabu Altenkirchen

Seit gut fünfzehn Jahren „lässt“ der Naturschutzbund im Kreis Altenkirchen mähen. Von der vereinseigenen Schafherde, die gezielt zur Beweidung von ausgesuchten Flächen, vorwiegend in Bachtälern, eingesetzt wird. Harry Sigg, stellvertretender Vorsitzender des Nabu Altenkirchen: „Schafbeweidung bietet schließlich viele Vorteile. Man kann selbst kleinste Bereiche, abgesichert mit einem Elektrozaun, ohne großen Aufwand beweiden. Größere und regelmäßig beweidete Flächen werden in der Regel mit einem fest an Eichenpfählen installierten Knotengitterzaun ausgestattet.“

Immer dann, wenn es gilt, die Herde umzusetzen, dann wird es anstrengend. Da müssen schon einige Helfer her, um die Tiere auf den Hänger zu bekommen. Ansonsten aber ist die Schafsbeweidung relativ pflegeleicht.

Dennoch gilt es Regeln zu beachten, soll das Ganze auch artgerecht ablaufen. Ende März, wenn Schafe und die Vegetation gleichermaßen aufwachen, dann werden die Tiere ganz bewusst auf die weniger nahrhaften Weiden geschickt. Ist das Futter nach dem Winterquartier gleich zu eiweißhaltig, könnte es Unverträglichkeiten geben.

„Mit einem Körpergewicht zwischen 30 und 80 Kilogramm sind die Tiere für die regelmäßige Behandlung gegen Parasiten, Impfungen, Klauenpflege und im Falle von Krankheiten recht einfach zu handhaben“, erklärt Harry Sigg. Mit Augenzwinkern fügt er aber gleich hinzu, dass ein „hormondurchwirbelter, 80 Kilo schwerer Schafbock auch ein gestandenes aber unvorsichtiges Mannsbild mit Leichtigkeit über den Haufen rennen kann“.

Der Nabu Altenkirchen hat vor vielen Jahren die Bachpatenschaft an den regional bedeutsamen Driescheiderbach und Ölferbach übernommen. „Unser hauptsächliches Augenmerk liegt in der Zwischenzeit auf dem Ölferbachtal.“

Das Ölferbachtal und seine Bachauen zwischen Kettenhausen und Niederölfen gelten als der wertvollste und artenreichste Lebensraum in der Umgebung von Altenkirchen. Als Vernetzungskorridor zwischen Sieg und Wied kommt dem Bach auch eine überregionale Bedeutung zu.

„Aktuell bemühen wir uns hier um die Erstellung eines Winter-Schafstalls, der außerhalb der Wintermonate für pädagogische Programme genutzt werden kann“, erzählt der stellvertretende Nabu-Vorsitzende.

Das Ölferbachtal ist ein Highlight der Region Altenkirchen. Neben einer reichen Flora mit seltenen Pflanzenarten wie Öhrchenhabichtskraut, Rundblättriger Glockenblume oder Thymian, die vor allem in Säumen anzutreffen sind, findet sich auch eine bemerkenswerte Fauna, darunter Sumpfgrashüpfer, Kaisermantel, Sumpfschrecke (Stethophyma grossum), der Helle- und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous). Die früher anzutreffenden Braunkehlchen und Wiesenpieper sind weitgehend verschwunden, dafür brüten mehrere Neuntöterpaare und die Dorngrasmücke im Bereich.Um diese Artenvielfalt zu erhalten wird eine kombinierte Nutzung der Bachauen als Mähwiesen und Weidegrünland realisiert.

„Im Spätsommer und Herbst stehen unsere Schafe auch auf besseren Weiden mit zumindest theoretisch eiweißreicherem Futter. Dieser relative Mangel an Eiweiß beruht auf der geringeren Futterqualität von ungedüngten Feuchtwiesen und begleitet unsere Biotopschafe durch ihr ganzes Leben. Selbst das Winterheu ist von minderer Qualität, da unsere Flächen immer sehr spät im Jahr gemäht werden. Solche Ernährungsmankos halten in der Regel nur genügsame, alte Schafrassen aus, ohne dass es zu Erkrankungen und Mangelerscheinungen kommt. In unserer Ursprungs-Herde waren verschiedene alte Rassen vertreten und heutzutage sind es zunehmend deren gemischte Abkömmlinge. Die Herbstbeweidung dauert oft bis weit in den Dezember und wird erst durch längere Frostperioden oder Schneefall beendet.“ (fu)

 

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