Remm-Flemm, Flöck-Flöck, de Klaavbröder und Co. sinn widder doh

Wer so klingende Namen wie Stadtsoldaten Rut Wieß Linz, KG Turmgarde Eitorf oder KG Rot-Weiß Herchen hört oder liest, ist sofort im Bilde. Doch im RWN-Land gibt es auch Karnevalsgesellschaften mit Namen, die sich nicht so ganz von selbst erklären – und deshalb eine närrische Analyse verdienen.

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Von „Ewig Jung“ bis „Mir hale Pohl“ – Sie alle sagen natürlich auch in der Session 2014 „Wir mache met“. Bild: H. W. Lamberz (RWN-Archiv)

Gewiss orientieren sich so einige Vereine bei ihrer Namensgebung an ihrer geografisch-mundartlichen Herkunft. So werden sich auch die älteren Ittenbacher Bürger an die Zeiten ihrer Blau-weißen Funken erinnern – seit 1992 sorgen sie als „Öttemicher Jecken“ für die karnevalistischen Highlights im fröhlichen Königswinterer Stadtteil.

„Klar, wer unseren Schlachtruf Huenije Alaaf hört, weiß wo er sich befindet – in Bad Hönningen“, verweist Dietmar Walter, Vorsitzender der Hönninger Karnevalsgesellschaft, auf die Wurzeln einer der letzten Alaaf-Bastionen vor dem Helaugebiet. Und auch bei der KG Ziepches Jecke aus Rhöndorf, sind die Ursprünge offensichtlich: Zehn Herren des Kegelclubs „Drachentöter“ riefen im Hotel „Funke am Ziepchen“ den Verein ins Leben.

Nur wenige Kilometer entfernt, doch schon seit 1895 macht die Niederdollendorfer Karnevalsgesellschaft Jahr für Jahr ihrem Namen alle Ehre: Die KG „Me bringen et fädig“ überracht immer wieder mit Witz, Originalität und Organisationstalent, wie beispielsweise als Ausrichter des ersten „Jeckentreffens am Drachenfels“.

Einzig und alleine um die Namensgebung drehte sich eine Vorstandssitzung eines Karnevalvereins am 22. Juni 1950 in Oberdollendorf, bis von etlichen Vorschlägen „Kuezejunge“ und „Kuezebuure“ übrigblieben, die dann als „Kuezengarde“ auf hohes karnevalistisches Niveau gebracht wurden. Die Schreibweise wurde später in „Küzengarde“ abgeändert. Gern gesehene Gäste in deren närrischem Programm sind übrigens auch die „Fidelen Ströpper“ aus Königswinter-Römlinghoven, deren Name Spitzbübigkeit verspricht. Doch Ströpper sind auch für die dicken Qualmsäulen beim Zigarrerauchen verantwortlich.

Bei der Stange bleiben

Ein Gedanke, drei Schreibweisen – als sich die KG „Halt Pol“ 1874 Bad Honnef, die KG „Mir hale Pohl“ 1928 Altenhofen und die KG „Mir hale Pool“ 1929 Verscheid durch Männer des Frohsinns, des Humors und der dörflichen Geselligkeit in Gastwirtschaften gründeten, grübelte man lange über einen passenden Namen nach. Heftig wurde diskutiert bis einer rief: „Mir hale Pohl, wir bleiben bei der Stange“. Und es war in den damals schwierigen, unwegsamen Zeiten auch erforderlich Pohl zu halten. Inspiriert durch die mutigen Männern formierte sich in Altenhofen sogar eine Möhnengruppe, als sie von diesem Namen hörten: „Wenn ühr Pohl halt, dann mache mir met!“ Und so nennen sie sich auch heute noch „Mir mache met“.

Ähnliche Beweggründe veranlasste die Gründungsväter der KG „Me haalen et us“ Rheinbreitbach, den einstigen „Club der Harmlosen“ im Laufe des über 110-jährigen Bestehens umzutaufen: Denn vieles hatten und haben die Menschen damals wie heute „auszuhalten“.

Wiederaufstehung: „Widder doh“

Mit ihrer Wiederauferstehung nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges setzte die Dreischläger Karneval KG Fernthal 1945 Akzente. Weil der Krieg jede Art von karnevalistischen Aktivitäten unterbrochen hatte, meldete man sich im Frühjahr 1946 mit den einfachen Worten „Mir sinn widder doh“ zurück. Dabei ging es den Gründungsmitgliedern einzig darum, ihre Freude auszudrücken, den Krieg überstanden zu haben und den Menschen wieder schöne, lustige Stunden bereiten zu können.
Das gelingt auch der KG „Ewig Jung“ Etscheid immer wieder. 1936 machte man den Wunsch zum Namen des Vereins. Bei der Karnevalsgesellschaft „Spitz pass op“ Eudenbach-Oberhau wiederum stand in 1980 der gleichnamige Spieleklassiker für Jung und Alt Pate.

Aus der Chronik des „Club Gemötlichkeit Asbach“ geht hervor, dass die Gründer anno 1901 die Geselligkeit suchten und jeder Grund zum Feiern ein willkommener Anlass war, den Frohsinn und die Kameradschaft zu fördern. Als „Club Zufriedenheit“ hingegen trat in Buchholz 1907 erstmals eine KG in Erscheinung, die unterbrochen durch die beiden Weltkriege, erst im Jahr 1948/49 den Karneval wieder aufleben ließ – als KG „So sind wir“.

Quasi wie von selbst oder aus dem Nichts wurde der Name KG „Flöck-Flöck“ Limbach 1926 geboren. Er ist das Ergebnis einer Wette, in der es darum ging, bis 23.11 Uhr den noch zu gründenden Karnevalsverein zu taufen. Und dabei ist das „Flöck, flöck moss dat john, wenn dat noch klappe soll“ gefallen.

Ähnlich heiß liefen auch die Köpfe der Gründungsmitglieder der KG Bierth von 1927 „Lot de Moot net senke“, Hennef. Mehr der Sprachlosigkeit und Verzweiflung denn eines Vorschlages nahe, fielen zur Erlösung aller dann die trostreichen Worte „Lot de Moot net senke!“

Bei der KG Quer durch de Waat in Hennef hingegen war das Zusammengehörigkeitsgefühl treibende Kraft. „Bei einem gemütlichen Beisammensein kurz nach dem 2. Weltkrieg beschlossen die damaligen Ortsvereine MGV Geisbach, Volksbühne „Siegperle“, Geselligkeitsvereinigung „Froh und Heiter“, den Karneval wieder auf rheinische Art zu feiern“, erklärt Andreas Seitz, Vorsitzender, den beziehungsreichen Namen „Quer durch de Waat“.

Uckerather sind weltweit einzigartig

„Ein Namensimport“, ist sich Martina Klein, Präsidentin und Vorsitzende der KG Mocca Kännchen Mühl­eip sicher. „Die Mitbegründerin Josefine Patt aus Erl bei Linz kannte den dortigen Möhnenclub und hat ihn von dort mitgebracht. Wahrscheinlich verbirgt sich hinter dem Mocca der damalige Muckefuck-Kaffee. Doch Mocca klingt irgendwie salonfähiger, interessanter als Muckefuck, oder?“

Kinderprinzenpaar_2014_Remm_Flemm_2

Kaum zu glauben: Der KG „Remm-Flemm“, deren Namen weltweit einzigartig sein dürfte, steht in dieser Session mit Niklas I. und Lena II. ein Kinderprinzenpaar vor, dessen Namen wohl zu den häufigsten ihres Jahrgangs zählen. Bild: KG

„An unserer Namensgebung können sich die Geister scheiden, streiten oder erfreuen, ganz nach Belieben“, erklärt Michael Senf, Vorsitzender der Alte Große Uckerather KG „Remm-Flemm“ von 1860. „Es gibt vier Versionen, eine interessanter als die andere – ein alter Stammtischbrauch, das Fürze-Anstecken, ein Pferdefuhrwerk und eine spontane Erklärung, was die beiden Worte bedeuten. Ich persönlich favoisiere die mit der Bremse am Pferdefuhrwerk, der Remm, und der Fahrt beschleunigen, dem Flemm. Wie dem auch sei, das Remm-.Flemm ist weltweit einzigartig!“

„Wenn etwas festsitzt, dann kläävt es“, erläutert Heinz Eckert, Vorsitzender der KG Klääv-Botz Aegidienberg, die Entstehungsgeschichte. „Doch mit der Botz ist nicht die Hose, sondern sind die Menschen gemeint, die als Gäste kein Ende beim Feiern finden.“ Ein solcher Mensch ist wohl auch als Namensgeber der KG „Wenter Klaavbröder“ in Windhagen, verantwortlich. Wie der Vereinschronik zu entnehmen ist, geht der Namensvorschlag auf eine Vorstandsgattin zurück, die 1954 anmerkte, dass der sonntägliche Frühschoppen ihres angeheirateten Oberkarnevalisten oft lückenlos bis zum Dämmerschoppen überging.

Mehr zum Karneval im RWN-Land: rwn24.de/karneval/

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