Der Blaue Portugieser als Rotwein mit Tradition


Rubinrot und gar nicht blau

Er ist weder blau noch stammt er aus Portugal – der Blaue Portugieser. Vielmehr wird die alte Rotweinsorte in Österreich und in deutschen Weinregionen wie dem Mittelrheintal und der Ahr angebaut. Aus ihren Trauben wird ein meist rubinroter Wein mit floralem Bukett und frischer Säure gekeltert, der sich durch eine frische Säure und leichten Körper im Geschmack auszeichnet und zu einer Vielzahl von Gerichten passt.

Blauer Portugieser ist eigentlich eine Mogelpackung – weder ist er blau, noch kommt er aus Portugal. Er schmeckt aber trotzdem.
Bild: Deutsches Weininstitut DWI

Lange Zeit „haben sich die Gelehrten darüber gestritten, ob die Rebsorte Blauer Portugieser tatsächlich ursprünglich aus Portugal stammt oder nicht“, gibt Gotthard Emmerich vom gleichnamigen Weingut in Leutesdorf Nachhilfe in Sachen Warenkunde. „Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen liegt der Ursprung des ,Blauen Portugiesers‘ definitiv im heutigen Nordost-Slowenien. Über Österreich ist er dann im 19. Jahrhundert nach Deutschland gekommen.

Auch die DNA wurde jüngst geklärt: Gentechnische Untersuchungen haben ergeben, dass die Sorte eine Kreuzung der Blauen Zimmettraube mit Grünem Silvaner ist.“ Die Sorte selbst stellt geringe Boden- und Lagenansprüche, ist allerdings weniger für feuchte und schwere Böden geeignet. Auch mit nährstoffarmen Sandböden kommen die Reben gut zurecht. Treten keine Schäden durch Winterfröste ein, gilt der Portugieser als wüchsig und ertragssicher.

„Die Trauben reifen früh und können als Qualitätswein mitunter schon in der ersten Septemberhälfte geerntet werden“, führt Gotthard Emmerich weiter aus. Seit 1651 hat sich sein renommiertes  Familienunternehmen dem Weinbau verschrieben, für 2018 steht das Weingut auf der Empfehlungsliste von „Gault&Millau Weinguide“, von „Vinum-Weinführer“ und „Feinschmecker“. Vor allem der „Blanc de Noirs“ – ein Weißwein aus den roten Portugieser Trauben, gut gekühlt serviert – hat es den Testern angetan.

Der Traubenträger Rot – eine Cuveé aus feinherbem Dornfelder und süffigem Blauer Portugieser, ein halbtrockener Rosé sowie der urwüchsige, halbtrockene Blauer Portugieser komplettieren das entsprechende Sortiment. „Im Grunde genommen ist die Rebsorte Blauer Portugieser ein Rotwein-Klassiker am Mittelrhein. Aus welchen Gründen auch immer ist er in die Außenseiterrolle gedrängt worden.

Portugieser passt zu Pizza und Pasta

Doch der Portugieser kann einiges mehr als man glauben möchte: Er ist leicht, fruchtig, passt zu Gegrilltem, Pasta, Pizza und Döner, ist also ein unkomplizierter Essensbegleiter.“ Das Deutsche Weininstitut geht bei der Charakterisierung sogar noch einen Schritt weiter: „Der Portugieser gilt als unkomplizierter, süffiger und frischer Schoppenwein. Die Rotweinsorte zeichnet sich durch ein fruchtiges Aroma aus, das Nuancen von Erdbeere, Himbeere, Roter Johannisbeere, Preiselbeere und Sauerkirsche aufweisen kann. Er enthält nicht viele Tannine und ist daher schon nach kurzer Lagerung trinkbar.

Im Gegensatz zu anderen Rotweinsorten kann man den frischen Portugieser auch kühler genießen – als Rosé reichen Temperaturen zwischen neun und 13 Grad Celsius, für Rotwein sind 14 bis 16 Grad angemessen. Der unkomplizierte, gut trinkbare Portugieser passt gut zu Vorspeisen, Suppen oder auch Muscheln. Als kräftiger Rotwein harmoniert er auch mit Wild, verschiedenen Braten und zu Käse. Als leichten, hellen Rotwein oder als frischen blumigen Weißherbst lässt sich Blauer Portugieser aber auch hervorragend pur genießen.“

Ähnliche Geschmackserlebnisse und Qualitätskriterien vermitteln laut Weinexpertin Doris Rustige, auch „die Portugieser Weißherbst-Weine“ vom Stadtweingut Bad Hönningen sowie die „Blaufränkischen von Lenz-Moser“, die in den Vorteil-Centern Asbach und Unkel erhältlich sind. „Der leichte, fruchtige blaufränkische Lembergertyp beispielsweise eignet sich bestens zur Vesper und zur sommerlichen Grill-Party, zu ländlichen Pasteten, kräftig gebratenem Geflügel, Schmorbraten, Lamm, warmem Roastbeef, fettarmem Blauschimmel- und reifem Bergkäse.“ (imr)

 

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