Schwieriges Jahr für Landwirte

Allen Wetterextremen und Ernteausfällen, Fipronil belasteten Eiern und ruinösen Milchpreisen zum Trotz – im RWN-Land sind die Landwirte im schwierigen Agrarjahr 2017 gerade noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Zu dieser Bilanz kommen übereinstimmend Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, und Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verband (RLV).

Bild: lumix2004

Landwirte haben schon immer mit Wetterextremen gearbeitet, doch deren Dichte nimmt zu“, gibt Bernhard Conzen zu bedenken. Michael Horper wiederum erinnert daran, dass „tragische Witterungsereignisse Landwirte immer hart treffen, da die Planungen für Anbau und Ernte schon im Jahr zuvor gemacht werden und wetterbedingte Ernteeinbußen sich meist nicht mehr ausbessern lassen.“

Am schlimmsten betroffen durch die Wetterextreme sehen beide in diesem Jahr den Obstbau. Michael Horper: „In den Obstbaugebieten nördlich von Koblenz und in der Grafschaft haben viele Obstbauern für einige Früchte Totalschäden gemeldet. Ertragseinbußen um die 70 Prozent sind die Regel.“ Sein nordrhein-westfälischer Kollege schätzt die Verluste bei Äpfeln und Pflaumen durch Frost bei etwa 60 Prozent – mit entsprechenden Folgen.

Schwache Apfelernte

„Da die Apfelernte nicht nur im Rheinland deutlich geringer ausfallen wird, werden die Apfelpreise steigen – allerdings nicht so hoch, um die Verluste der Erzeuger ausgleichen zu können.“ Michael Horper ergänzt die Marktaussichten: „Bedauerlicherweise nehmen bei einer schlechten Obsternte die Importmengen zu. Das hat zur Folge, dass dringend benötigte, deutlich höhere Preise für die Betriebe durch relativ günstige Importware gedeckelt werden. Umso mehr sind sie auf eine gute Ernte in 2018 angewiesen. Auf Dauer können die Betriebe solche Ergebnisse allerdings nicht schultern.“ In seinem Verbandsgebiet haben deshalb „über 70 Betriebe um wirtschaftliche Unterstützung gebeten“. Und der RLV-Präsident stellt fest: „Die Frostschäden waren für die Obstbauern in einigen Regionen so heftig, dass viele Höfe existenzgefährdet sind.“

Auch fehlende Niederschläge zum erforderlichen Zeitpunkt führten in beiden Landwirtschaftsverbänden zu unterdurchschnittlichen Getreideerträgen. Bernhard Conzen resümiert:  „Im Verhältnis zu anderen Regionen Deutschlands ist das Rheinland noch mit einem blauen Auge davongekommen. Für eine gute Ernte gab es allerdings zu wenig Niederschlag zur rechten Zeit, vor allem in den Regenschattengebieten. Qualitativ ist die Ernte in weiten Teilen zumindest gut und konnte trocken eingebracht werden.“

Fast deckungsgleich stellt sich die Situation im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau  dar. Michael Horper: „Auch im Ackerbau konnte nur eine unterdurchschnittliche Erntemenge eingefahren werden. Die gewünschten Qualitäten wurden nicht immer erzielt. Die Tierhalter mussten im Frühjahr aufgrund der Trockenheit große Einbußen bei der Gras- und Heuernte hinnehmen. Die gerade beginnende Maisernte lässt aber hoffen, dass in diesem Jahr keine Engpässe in der Futterbereitstellung zu erwarten sind.“

Etwas Licht im Tunnel sehen beide Verbandspräsidenten für die Milchbauern. Michael Horper bilanziert: „Die aktuellen Milchpreise sind besser, aber noch lange nicht auf einem Niveau, dass die Betriebe ihre in den vergangene Jahren gemachten Verluste ausgleichen, geschweige denn zurückgestellte notwendige Investitionen getätigt werden können.“ Und damit schließt er sich der Einschätzung von Bernhard Conzen an: „Erst wenn die Milchpreise noch ein Jahr so bleiben, kann man von einer echten Entspannung sprechen.“ (imr)

 

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