Sechs Eier sind eine Hochzeit

Das Osterei spielt am Osterfest in zahlreichen Familien und Vereinen zwischen Rhein und Wied, Sieg und Agger wieder eine besondere Rolle. Und das hat Tradition: „Schon mindestens seit dem 16. Jahrhundert wird an den Osterfeiertagen mit Eiern gespielt“, berichtet Brauchtumskenner Alois Döring vom Bonner Amt für rheinische Landeskunde.

Von Hermann-Joseph Löhr

inige der Ostereier- Bräuche gehen bis aufs Mittelalter zurück. Die frühesten Belege zum Osterhasen dagegen gehen unter anderem auf protestantische Autoren des 17. Jahrhunderts zurück. Der Brauch, dass Osterhasen die Eier bringen entstand im Elsass, in der Pfalz und am Oberrhein.

Bunte Ostereier im Nest

Ein Nest mit fünf Eiern verhieß bereits ernste Absichten, eins mehr käme schon einem Antrag gleich.
Bild: Fotolia/womue

In evangelischen Familien war es üblich, die Ostereier durch einen Unbekannten verstecken zu lassen, um zu verschleiern, dass die Ostereier auf die katholischen Fastenvorschriften zurückgingen. Gemischt haben sich im Laufe der Zeit dabei mehrere Bräuche: Zum einen mussten die Dorfgemeinschaften körbeweise Eier abgeben als Naturallohn für Dorflehrer, Pfarrer und Küster. Aus dem Westerwald etwa wird berichtet, dass der Lehrer zur Fastenzeit einen Rundgang im Schulbezirk unternahm und Eier und Fleisch sammelte.

Ein anderer Brauch war, dass Patenonkel und -Tante ihren Patenkindern an Ostern Eier schenkten. Und drittens gingen an Ostern in vielen rheinischen Dörfern Mädchen von Haus zu Haus. Sie teilten den Burschen, von denen sie zum Maifest ersteigert worden waren, eine bestimmte Zahl von Eiern zu. Dabei galt als ungeschriebenes Gesetz: Zwei Eier waren „eine Schande“; drei Eier „Anerkennung“, bei vier Eiern hieß der Status „Ehre“; fünf brachten eine Liebschaft und sechs führten zur Hochzeit.

Das Osterei konnte eine so wichtige Rolle spielen, weil es zu Ostern immer viele Eier gab. Schließlich hattedie katholische Kirche den Menschen jahrhundertelang verboten, während der Fastenzeit Eierspeisen zu konsumieren. Dabei ist gerade zu Frühjahrsbeginn eine gute Legezeit für Hühner. So sammelten sich in katholischen Gegenden über Wochen große Eier-Vorräte an, die erst an Ostern verzehrt werden durften.

Nicht selten endete dies dann in ungesunder Völlerei: Noch in den 1950er Jahren brüsteten sich etwa meine Onkel damit, wie viele Eier sie am Ostersonntag gegessen hatten. Manch einer tönte, er habe es auf über 20 Stück gebracht.

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