Marken des Alltags: Sidolin

 

„Sidolin schafft den Durchblick!“

Es ist ein Klassiker aus den Fünfzigern – wie Nierentische, VW Käfer oder Elvis Presley – und noch heute überaus beliebt: Sidolin. Das Produkt, das nach seinem Verkaufsstart 1955 in vielen deutschen Haushalten Putz­eimer und Zeitungspapier ersetzte und seither millionenfach verkauft wurde, hat es nach sechs erfolgreichen Jahrzehnten mancherorts geschafft, ganz selbstverständlich als Synonym für Glasreiniger verwendet zu werden.

Der Wunsch nach dem Durchblick: Sidolin erfüllt ihn seit Jahrzehnten.
Bild: Hersteller

Im Jahr 1903 gründeten die Kaufleute Oskar Siegel und Eugen Wolff in der Kölner Eifelstraße die Chemische Fabrik Siegel & Co., um Bohnerwachs, Schuhcreme und andere Pflegemittel für den Haushalt herzustellen. Besonders das im selben Jahr vorgestellte Metallputzmittel Sidol erlangte internationale Bekanntheit und gab dem Unternehmen die Kurzbezeichnung Sidol-Werke.

Nachdem man in den Folgejahren weitere Erzeugnisse entwickelt und erfolgreich auf dem Markt eingeführt hatte, verlagerte man die Produktion 1910 zunächst nach Nippes, bevor sich der Betrieb bereits ein Jahr später an der Grenze der Stadtteile Braunsfeld/Müngersdorf ansiedelte.

In der Zwischenkriegszeit expandierte das Unternehmen zu einem Konzern mit mehr als 4000 Mitarbeitern, weltweiten Absatzmärkten und marktbeherrschender Position für Reinigungserzeugnisse. Nach wenigen Jahren stieß die Produktion mangels Raum an ihre Grenzen, weshalb 1926/27 auf einem über 100.000 Quadratmeter großen Werksgelände an der Eupener Straße eine neue Fabrikanlage im Bauhaus-Stil nach Entwürfen des Architekten Otto Müller-Jena errichtet wurde.

Zwischen Februar und Oktober 1943 erlitten die Backsteinbauten der Verwaltung wie auch weitere Fabrikgebäude bei Luftangriffen weitgehende Zerstörungen. Allerdings waren die Schäden weniger gravierend als in benachbarten Produktionsstätten. Franz Benno Wolff-Limper, Sohn von Eugen Wolff, hatte  nach dessen Tod bereits 1937 die Führung der Sidol-Werke übernommen und trieb nach dem Krieg den Wiederaufbau voran. Bereits im Sommer des Jahres 1948 konnte die Produktion wiederaufgenommen werden. Unter Leitung des Architekten Valentin Pollack wurden bis 1951 mehrere Neubauten fertiggestellt.

100.000 Flaschen täglich

1955 schließlich brachten die Sidol-Werke das Fensterputzmittel Sidolin auf den Markt. In einer blauen Glasflasche mit 140 ml Inhalt abgefüllt, wurde das Produkt zu einem Preis von 85 Pfennigen verkauft. Im Jahr der Markteinführung liefen täglich bereits 100.000 Flaschen vom Band. Zwei Jahre später wurden die Glas- durch Kunststoffflaschen ersetzt.

Nachdem sich die traditionsreichen Sidol-Werke 1969  mit den Düsseldorfer Thompson-Werken zur Thompson-Siegel GmbH zusammengeschlossen hatten, folgte 1971 die Übernahme durch die Düsseldorfer Henkel & Cie. Als erster Glasreiniger in Deutschland kam Sidolin 1978 in der innovativen Sprühflasche auf den Markt. In den späten 1980ern gewann das Thema Umwelt- und Naturschutz zunehmend an Bedeutung. Sidolin enthält seit 1991 ausschließlich Tenside auf Basis nachwachsender Rohstoffe und ist seit 1992 zudem als Nachfüllkonzentrat auf dem Markt.

Heute ist Sidolin die erfolgreichste Marke im Segment Glasreiniger und bietet zudem zahlreiche weitere Produkte für unterschiedliche Reinigungsbedürfnisse. Hierzu zählen etwa solche für die Brillenreinigung oder die Füllung von Scheibenwaschanlagen bei Autos. Die Wortmarke Sidolin wurde übrigens bereits am 9. Dezember 1905 beim Kaiserlichen Patentamt Berlin registriert, gut zwei Jahre nach Sidol. (cm)

 

 

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