Interview mit der Ernährungsberaterin Birgit Merkelbach

 

Speiseplan dem Bedarf anpassen

Immer mehr Menschen setzen sich ihrer Gesundheit zuliebe mit gesunder Ernährung auseinander. Doch wie sieht eine solche tatsächlich aus? Die RWN-Redaktion hat darüber mit Birgit Merkelbach, Ernährungsberaterin in der DRK Kamillus Klinik in Asbach, gesprochen. Neben der Beratung der stationären Patienten bietet die Klinik auch eine ambulante Ernährungsberatung an, die meist von den Krankenkassen bezuschusst wird.

Birgit Merkelbach
Bild: Kamillus Klinik

Damit der Körper gesund bleibt, soll man sich viel bewegen und gesund essen. Doch was ist eigentlich gesunde Ernährung?

Birgit Merkelbach: Gesunde Ernährung sollte eine ausgewogene Auswahl an Lebensmitteln beinhalten, die der Körpergröße, dem Gewicht und der Bewegung entsprechen. Die Grundnährstoffe Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate sowie Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe müssen in angemessener Menge enthalten sein. Außerdem sollte eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr gewährleistet sein.

 

Wie genau kann der tägliche Speiseplan für ein langes Leben sorgen?

Merkelbach: Der Speiseplan sollte dem Nährstoffbedarf der jeweiligen Zielgruppe angepasst sein, um die Aufrechterhaltung aller Funktionen des Körpers zu ermöglichen. Wichtig sind bei der Auswahl von Lebensmitteln der Zucker- und Fettgehalt sowie die Zusammensetzung der Fette. Der Speiseplan muss bei Erkrankungen und besonderen Situationen durch eine qualifizierte Ernährungsfachkraft erstellt werden.

 

Low Carb, Vegan, Paleo und Superfood – wir werden geradezu überschwemmt mit vermeintlich gesunden Ernährungstipps. Aber an welchen Grundsätzen kann man sich tatsächlich orientieren?

Merkelbach: Um eine gesunde Ernährung sicherzustellen, gibt es als Grundlage die zehn Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Zusätzlich bietet die Dach-Organisation Richtwerte, Empfehlungen und Schätzwerte für den Nährstoffbedarf an. Diese werden regelmäßig den aktuellen Forschungsergebnissen angepasst und sind für jeden abrufbar. Viele der vermeintlich gesunden Ernährungstipps und Diäten hingegen basieren nicht auf wissenschaftlich belegten Erkenntnissen. Diese oft einseitigen Kostformen können langfristig Mangelernährung verursachen und somit zu Erkrankungen führen.

 

In unserer Gesellschaft verbringen viele Menschen ihren Arbeitstag sitzend. Wie kann eine hieran angepasste gesunde und ausgewogene Ernährung aussehen?

Merkelbach: Durch diese begrenzte Bewegung verändert sich der Energiebedarf des Körpers. Diese Veränderung muss neben einer geeigneten Lebensmittelauswahl durch eine fettarme und nährstoffschonende Zubereitung erfolgen.

 

Und wie sieht es bei älteren Menschen aus?

Merkelbach: Bei vielen hochbetagten Menschen beobachten wir heute eine Mangelernährung verbunden mit Untergewicht. Ursächlich sind oft Kau- und Schluckbeschwerden oder Versorgungsprobleme. Diese Menschen haben dann einen erhöhten Nährstoff- und Energiebedarf, der nur durch ein gezieltes Lebensmittelangebot erreicht werden kann. Auf Grund des reduzierten Durstgefühls sollte ein besonderes Augenmerk auf die Flüssigkeitszufuhr gelegt werden.  Auch hier sind Ernährungsfachkräfte gefragt.

 

Wie lautet Ihre persönliche Philosophie für gutes Essen?

Merkelbach: Eine gute, ausgewogene Auswahl an Lebensmitteln aus regionalem Anbau, tierischer und pflanzlicher Herkunft, zubereitet mit Kräutern und Gewürzen zu schmackhaften Gerichten. (imr)

 

 

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