Marken des Alltags: Samsonite

 

„Stabil genug, um sich draufzustellen!“

Unvergessen ist der 30-Sekunden-Spot aus den späten 1970er Jahren: Ein Mann, bekleidet mit Ski-Anzug und Integralhelm, stapft in Ski-Stiefeln eine Piste hinauf – in der Hand einen Koffer mit dem riesigen Aufdruck „Samsonite“. Oben angekommen klappt er das Visier herunter, den Koffer auf, setzt sich hinein und rast den Hang hinunter, um ihn im Tal – als sei es die selbstverständlichste Sache der Welt – wieder zu schließen.

Samsonite_Werbemotiv_1940er

Die Anfänge des weltweit agierenden Gepäckherstellers Samsonite liegen im Jahre 1910.
Bild: Samsonite

Jesse Shwayder, Sohn einer polnisch-jüdischen Einwanderer-Familie, gründete im Jahre 1910 in Denver, Hauptstadt des US-Bundesstaates Colorado, die „Shwayder Trunk Manufacturing Company“. Die Firma produzierte zunächst schwere Holztruhen und Schrankkoffer.

Im Jahr 1916 warb Shwayder mit einer Kampagne, die ihn zusammen mit seinen vier Brüdern Benjamin, Mark, Maurice und Sol auf einem Holzbrett stehend zeigte, das auf einem geöffneten Koffer auflag. Über dem Foto stand: „strong enough to stand on!“ („Stabil genug, um sich draufzustellen!“). Das neue Gepäckstück hatte man auf den Namen „Samson“ getauft – in Anlehnung an die biblische Erzählung des starken Helden.

Zehn Jahre nachdem das Unternehmen in „Shwayder Brothers, Inc.“ umbenannt worden war, stellte es 1941 die innovative Gepäckserie „Streamlite“ vor. Sie bestand aus einer Holzrahmenkonstruktion mit Vulkanfiber-Platten in Rohlederoptik. Nun verwendete man erstmals den Markennamen „Samsonite“.

Nachdem die Shwayder-Fabriken im Laufe des Zweiten Weltkriegs vorübergehend in die Kriegsanstrengungen der USA hineingezogen worden waren, konnte man in den späten 1940er Jahren wieder die gewohnte Produktion aufnehmen.

Mit der Umbenennung in „Samsonite Inc.“ fand sich die Wortmarke ab 1965 auch im Firmennamen wieder. Bereits fünf Jahre zuvor hatte Jesse Shwayder die Firmenleitung an seinen Sohn King David übertragen, jedoch weiter eine aktive Rolle im Unternehmen behalten.

Der erste ABS-Aktenkoffer (die Abkürzung steht für den thermoplastischen Kunststoff Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat), der 1962 vorgestellt wurde, richtete sich vor allem an die vielen Geschäftsleute unter den Kunden. Im Jahre 1974 kam der erste Samsonite-Koffer mit Rollen auf den Markt.

Es dauerte noch bis zur Jahrtausendwende, bis das Unternehmen sich auf ein Feld begab, das der deutsche Wettbewerber Rimowa schon seit einem halben Jahrhundert beackerte: Im Jahr 2000 wurde das erste Samsonite-Produkt aus Aluminium präsentiert. Den Rimowa-Koffer mit der typischen Rillen-Struktur gibt es bereits seit 1950. Er war anfangs allerdings eine Notlösung: Bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg waren nahezu alle Lagerbestände des Unternehmens zerstört worden und allein das Aluminium übriggeblieben.

Das erste Samsonite-Modell mit vier Rollen erschien 2003. Es bot eine erhöhte Stabilität und Mobilität, da Reisende nun die Möglichkeit hatten, ihre Koffer entweder zu ziehen oder zu schieben. Mit der „Cosmolite“-Serie kam fünf Jahre später der aus dem innovativen Curv®-Material hergestellte stabilste und zugleich leichteste Samsonite-Koffer aller Zeiten auf den Markt.

Heute steht Samsonite in seinem Segment weltweit an der Spitze – vor Konkurrenten wie Tumi, ACE und Rimowa. Man führt damit allerdings „nur“ die Riege der Markenhersteller an. Aber das größte Problem des Branchenführers sind nicht diese, sondern die inzwischen unzähligen No-Name-Anbieter: Die Billigmarken haben mittlerweile rund 70 Prozent des Marktes erobert.

 

 

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