Marken des Alltags: Tipp-Kick


„Turek, du bist ein Teufelskerl!“

Bern, 4. Juli 1954: Die Hörfunkreportage Herbert Zimmermanns über das Endspiel der Fußball-WM ist bis heute unvergessen: „Turek, du bist ein Teufelskerl! Turek, du bist ein Fußballgott!“ Neben dem Reporter wurde an jenem Tag auch der Torwart der deutschen Elf zur Legende, Toni Turek. In der zweiten Halbzeit verzweifelten die Ungarn an seinen Paraden. Ihm zu Ehren heißt der Tipp-Kick-Keeper „Toni“.

1954

4. Juli 1954 in Bern: Das entscheidende Tor von Helmut Rahn in der 84. Minute 
Bilder: Kick-Tipp

Im Jahre 1923 sollte der junge Schwenninger Exportkaufmann Edwin Mieg die indische Verkaufsniederlassung des Uhren-Herstellers Junghans übernehmen. Doch Junghans vergab die versprochene Stelle an einen anderen Bewerber. Mieg wechselte kurzerhand von der Uhren- zur Spielwarenindustrie.

Bereits im Jahr darauf entwickelte Edwin Mieg eine geniale Spielidee zur Marktreife: Das Tipp-Kick-Spiel. Mit einer Blechfigur, deren Fuß sich auf Knopfdruck bewegen ließ, galt es einen zweifarbigen Korkwürfel in ein Tor zu schießen. Das Patent hatte Mieg einem schwäbischen Tüftler abgekauft. Doch das Gewicht der Spieler stellte sich als zu gering heraus: Ab 1925 ließ er die Figuren aus Blei gießen – und gründete im selben Jahr seine Firma.

Schachtel 1923-1944Auf der Leipziger Spielwarenmesse 1926 präsentierte Mieg das Spiel zunächst „inoffiziell“ vor dem Eingang der Hallen. Dort baute er es auf und ließ interessierte Besucher spielen. Mieg verkaufte in Leipzig letztlich mehrere hundert Tipp-Kick-Spiele.

Die stetig wachsende Nachfrage nach Tipp-Kick und die damit verbundenen Einnahmen ermutigten Mieg im Jahre 1938, ein eigenes Werksgebäude in seiner Heimatstadt bauen zu lassen. Die Kicker – inzwischen aus Zink – wurden nun in der eigenen Fabrik gegossen.

Nachdem Edwin Mieg 1948 verstorben war, übernahmen seine Söhne Peter und Hansjörg die Firma. Das Tipp-Kick-Spiel, das bis dahin unverändert geblieben war, erfuhr 1954 eine wichtige Neuerung: Peter Mieg entwickelte zusammen mit Betriebsleiter Franz Rusch den Torwart „Toni“, der auf Knopfdruck nach rechts oder links fällt. Allein im WM-Jahr wurden in Deutschland 180.000 Tipp-Kick-Spiele verkauft.

Mit dem Beginn der Fußball-Bundesliga 1963 wurden „Bundesliga Top-Kicker“ produziert. 1967 bildete man einen bis dahin unbekannten jungen Fußballer auf der neuen Tipp-Kick-Verpackung ab: Gerd Müller. Rechtzeitig zum Titel bei der Heim-WM 1974 konnten die Fans die Partien mit solchen „Star-Kickern“ in den Farben des Nationalteams nachspielen.

Im Jahre 1978 wurden Tore mit Textilnetzen eingeführt, vier Jahre später der „Star-Keeper“ – ein Torwart, der zusätzlich nach vorne hechten kann. In den 1980er und 90er Jahren konnten die verschiedenen Zielgruppen unter fünf verschiedenen Ausführungen des Tipp-Kick-Spiels wählen.

Wegen starker Nachfrageschwankungen gab die Firma Mieg viele Produktionsprozesse, die bis 1998 noch im eigenen Hause angesiedelt waren, an Zulieferer ab. So werden die Kicker in einer acht Kilometer entfernten Gießerei gegossen, die Kunststoffteile liefert eine Kunststoffspritzerei, die 300 Meter vom Firmensitz entfernt ist. Bemalt werden die Figuren heute zu über 80 Prozent in Tunesien.

Die Firma Mieg, die inzwischen in der dritten Generation geführt wird, soll sich mit Tipp-Kick künftig, so die Zielsetzung, verstärkt international etablieren.

Übrigens: Der ehemalige deutsche Nationaltorhüter Harald Schumacher schreibt in seinem umstrittenen Buch „Anpfiff“, dass sich sein Spitzname „Toni“ sowohl von seinem zweiten Vornamen Anton als auch von Toni Turek ableite.

 

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