Roman Runkel ist ein „Spät-Berufener“

 

„…und da fing die ganze Misere an“

Kirmes, Zuckerwatte, Karussells und Schießbuden – bei den meisten fängt die Leidenschaft dafür in der Kindheit an. Bei Roman Runkel war dies ein wenig anders. Der 54-jährige Gastronom aus dem Kasbachtal kam als „Spät-Berufener“ zur Kirmes-Leidenschaft. Aber dafür dann mit Schmackes.

Roman Runkel Nostalgie Welt

Acht Zirkuswagen besitzt Roman Runkel, untergebracht in einer riesigen Halle.
Bild: H.-W. Lamberz

Er wollte vor rund 30 Jahren eigentlich nur „ein paar Deko-Artikel für meinen Gastronomiebetrieb in Koblenz haben und stöberte auf Floh- und Antikmärkten herum“, verrät Runkel. Seitdem hat der umtriebige Gastronom nicht nur hunderte, gar tausende von originalen Emailleschildern gehortet. „Später kamen dann Nudelhölzer, Kaffeedosen und Kaffeemühlen und vieles mehr dazu“, so Runkel. Jedes Wochenende war er unterwegs, hat in Dachböden, Speichern, Rumpelkammern und Scheunen nachgeschaut, ob nicht irgendwo noch ein besonders schönes und interessantes Stück für seine Sammlung auftaucht.

„Und dann habe ich einen alten DKW gekauft“, schildert er seinen ersten Kontakt mit der Oldtimer-Szene. Ein Gast verkaufte ihm dann kurze Zeit später einen kleinen Lanz-Traktor, „und da fing dann die ganze Misere an“, schildert Runkel schmunzelnd seine Kirmes-Karriere.

Ein größerer Lanz-Bulldog kam hinzu, der als Zugfahrzeug für einen Zirkus genutzt worden war. „Der hatte das Baujahr 1938 und war irgendwie in der DDR hängengeblieben“, so Runkel. Ein Bekannter brachte den alten Schlepper nach der Wende in den Westen und seitdem bildet der große Lanz den Grundstock für die Zirkus- und Kirmesflotte von Roman Runkel.

„Für mich haben diese Fahrzeug ihre ganz eigene Geschichte, sie leben alle“, schwärmt er. Aber was wäre ein Zug-Fahrzeug ohne Kirmes- oder Zirkus-Anhänger, fragte sich Runkel. Also wurde er beim Zirkus Flic-Flac fündig und holte seinen ersten Kaffee-Wagen ins Kasbachtal.

„Ich habe seitdem alle Wagen selbst restauriert, nur mit Originalteilen“, ist Runkel stolz auf sein handwerkliches Geschick. Acht Zirkuswagen stehen jetzt in einer riesigen Halle im Kasbachtal. Darunter auch ein ehemaliger rollender Tiger-Käfig, den er zu einem Imbisswagen umbaute.

Aber nicht wie vielleicht zu erwarten war, im schnöden Technik-Stil der Gegenwart, sondern alles nach der historischen Vorlage. Ein altes Pferdekarussel wurde ebenso wie ein altes Kinderkarussel zum Ausschank-Wagen umgebaut, eine alte Schiffsschaukel genauso liebevoll restauriert. „Ich bin da schon ein bisschen verrückt“, umschreibt Roman Runkel seine Leidenschaft.

Nachdem seine Schätzchen früher viel auf Jahrmärkten und Kirmessen unterwegs waren, ist es jetzt ein wenig ruhiger um sie geworden. „Es gibt ja auch nicht mehr so viel Anlässe, wo diese historischen Kirmes-Wagen dazu passen“, bedauert er wehmütig. Auch die historische Kirmes in Linz hatte Runkel anfangs noch mit seinen Prunkwagen bereichert, „dann wollte man mich da nicht mehr“. Wenn der Gastronom heute über eine moderne Kirmes schlendert, treiben ihm die Hochglanz-Techno-Fahrgeschäft die Tränen in die Augen.

„Diesen neumodischen Kram habe ich nie gemocht“, so Runkel. Und so warten die Runkelschen Oldtimer, allesamt mit einem weinroten Farb-Touch versehen, auf die seltenen Anlässe, wo sie bestaunt werden können. „Natürlich sind das unsere Oster- und Weihnachtsmärkte und ab und zu verleihe ich auch einen Wagen“, hält er fest. Und obwohl noch die eine oder andere Ecke in seiner Riesenhalle frei wäre, Nachwuchs werden die Kirmes-Schätze wohl nicht mehr bekommen. „Die Schausteller-Familien, die noch solch alte Wagen haben, verkaufen sie nicht mehr, sondern nützen sie selbst“, bedauert er. Aber vielleicht kann sich Roman Runkel doch noch einen alten Traum erfüllen.

„Ein historisches Spiegelzelt hätte ich gerne. Dann würde ich hier im Kasbachtal kleinere Varieté-Vorführungen mit Imbiss-Möglichkeit anbieten“, schwärmt er. Nur den passenden Geschäftspartner, der die Veranstaltungen dann unterstützt, fehlt ihm noch. Und natürlich das alte Spiegelzelt.

 

 

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