Sie leben in einem museusmsreifen Rheinbreitbacher Fachwerkhaus

 

Verwechslungen nicht ausgeschlossen

Sie sind so etwas wie die personifizierte Verwirrung: Sie heißt Helene Fischer und ist doch keine Schlagersängerin, er heißt Klaus Fischer und ist doch kein Fußballspieler mit Fallrückzieher-Diplom. Solche „Verwechslungen“ nehmen die beiden Rheinbreitbacher schon lange mit Humor. Wenn aber ihr Fachwerk-Domizil mit dem Heimatmuseum verwechselt wird, dann hört der Spaß für die Eheleute Fischer doch eher auf.

Früher und heute (unten): Das ehemalige Gesindehaus, das auf dem Areal der Unteren Burg in Rheinbreitbach liegt.
Bilder: Archiv

Ist ja auch kein Vergnügen, wenn fremde Leute plötzlich im Vorgarten stehen oder mit der gezückten Kamera die Hausbesitzer auffordern, aus dem Fenster zu verschwinden, weil sonst das schöne Fachwerk-Foto verdorben wird. Als jetzt auch noch die RWN-Redaktion das schmucke Gemäuer per Bildtext zum öffentlichen Bauwerk machte, war der Spaß wohl endgültig vorbei. Aber die Eheleute Fischer sind nicht so leicht unterzukriegen. Der Entschuldigungsanruf der Redaktion führte letztendlich zu einer Einladung zum Ortstermin.

Und – das werden die Fischers dem Autor noch einmal verzeihen – das Gebäude stellt auch im Inneren so manches Heimatmuseum in den Schatten. Jahrzehntelang haben die Hausbesitzer schließlich mit viel Liebe und geschickten Händen aus einer verfallenen Ruine ein Schmuckstück gemacht. Der Fotovergleich bringt einen unvorstellbaren Wandel zu Tage. Ein Wandel zurück, denn bei der Sanierung griffen die Eheleute Fischer immer wieder gerne auf „Originalmaterialien“ zurück.

Gewandelt hat sich aber auch das Umfeld in dieser Zeit, denn das ehemalige Gesindehaus, um das es sich bei Fischers Häuschen handelt, stand jahrzehntelang am Rande des Areals der Unteren Burg in Rheinbreitbach und verschwand beinahe hinter dem Wildwuchs. Als vor Jahren die Burgruine aufwändig hergerichtet wurde, erwachte das Fachwerkhaus förmlich aus dem Dornröschenschlaf und bietet nicht nur durch heimatgeschichtliche Relikte davor eine beliebte Fotokulisse.

Kaum jemand kennt aber die Odysee, die Familie Fischer damit durchmachte. „Stellen Sie sich mal vor, wir mussten zwölf Jahre darauf warten, dass der Vertrag perfekt war“, erinnert sich Helene Fischer, die seit Kindheitstagen in Rheinbreitbach schon Lilo genannt wird. Im Gemeinderat, so fügt sie hinzu, gab es damals viele Stimmen, die für einen Abriss der Fachwerk-Ruine stimmen wollten. Vielleicht war das auch der Auslöser für erstaunliche Vertragsbedingungen: Die „Einheimischen-Klausel“ erfüllte die gebürtige Rheinbreitbacherin, den Ruf nach einem handwerklich begabten Käufer konnte der Kälte- und Klimatechniker beantworten und die Selbstnutz-Pflicht, die erfüllen die Fischers seit  fast 20 Jahren. Und das mit spürbarem Stolz. Stolz auf ein liebevoll hergerichtetes Fachwerkhaus, das aber kein Heimatmuseum ist! (fu)