Marken des Alltags: Kettler

 

Campingstuhl bis Hollywoodschaukel

Was haben Campingstühle, Hollywoodschaukeln, Tischtennisplatten und Tretautos gemeinsam? Ihre Gestelle werden aus Alu- oder Stahlrohr gefertigt. So erklärt sich, dass die Firma Kettler seit Jahrzehnten unter anderem diese – recht unterschiedlichen – Produkte in ihrem breiten Sortiment hat. In seinem Rohrwerk produziert das Unternehmen nicht nur Komponenten für den eigenen Bedarf, sondern bietet seit vielen Jahren auch namhaften Herstellern der deutschen Automobilindustrie individuelle Lösungen an.

Gartenmöbel wie die Relax-Liege und der Stuhl Piccolo (unten) gehören seit jeher zum Portfolio von Kettler.
Bilder: Kettler

Zwei Jahre nachdem der Unternehmer Heinz Kettler 1949 seine Metallwarenfabrik im sauerländischen Ense-Parsit gegründet hatte, brachte er sein erstes Serienprodukt auf den Markt, den Campingstuhl „Piccolo“. In den folgenden Jahren entwickelte sich der Kleinstbetrieb zum renommierten Markenartikelhersteller mit hohem Bekanntheitsgrad.

Nachdem in den späten 50er Jahren die sogenannte Hollywoodschaukel zum Statussymbol im heimischen Garten avanciert war, nahm auch Kettler dieses Produkt in sein Portfolio auf. Der Name rührt her von den Hollywood-Filmen, durch die das Möbel hierzulande bekannt wurde. In den USA heißen sie „porch swing“ für „Veranda-Schaukel“. Bis heute ist das Prunkstück der Wirtschaftswunderjahre bei Kettler im Angebot – als Dreisitzer unter dem Namen „VIP-Schaukel“.

Das bekannteste Produkt des Unternehmens ist zweifelsohne das Kettcar. Das Tretauto mit Kettenantrieb kam 1961 auf den Markt. Der Name wurde allerdings nicht von „Kette“ abgeleitet, sondern ist eine Wortbildung aus der Anfangssilbe des Familiennamens seines Erfinder Heinz Kettler und dem englischen Wort „car“ für „Auto“. Die Wortmarke wurde bald zum Gattungsnamen – wie Tesafilm für durchsichtiges Klebeband. 1980 wurde Kettcar in den Duden aufgenommen.

Wer seine Tischtennisplatte früher im Freien aufstellte, der konnte sie nach dem ersten längeren Regen entsorgen. Das Wasser war ins Holz eingedrungen und hatte die Platte aufquellen lassen. Selbst hohe Luftfeuchtigkeit oder direkte Sonneneinstrahlung reichte aus, um sie zu zerstören. 1974 brachte Kettler seine erste Outdoor-Tischtennisplatte auf den Markt. Mit ihr und den Nachfolgemodellen kann man bedenkenlos draußen Ping Pong spielen.

An die Weltspitze gerudert

Ab den 70er Jahren entwickelte sich Kettler mit seinem Rudergerät zum Marktführer bei Kraftsport- und Ausdauergeräten für den Privatgebrauch. Wer auf herkömmliche Weise radeln wollte, konnte seit 1977 auf das leichte Alu-Fahrrad des Herstellers zurückgreifen. Für den Indoor-Sportler gab es ab 1982 den Heimtrainer „Golf“.

Was 1951 mit dem Campingstuhl begonnen hatte, setzt sich bis heute fort. Der Bereich Gartenmöbel spielt nach wie vor eine bedeutende Rolle im Produktportfolio von Kettler. Seit 1995 bietet das Unternehmen Modelle aus Aluminium und Outdoor-Gewebe.

In knapp 70 Jahren hat Kettler eine Vielzahl von Produkten auf den Markt gebracht, die bei fast jedermann in Garten, Hobbyraum oder Garage zu finden sind. Neben den genannten Produkten entstehen in den Werken des Unternehmens auch Wippen, Rutschen, Schaukeln, Roller sowie Lauf- und Dreiräder für Kinder.

Die etwa 750 Mitarbeiter am Stammsitz Ense-Parsit sowie am Produktionsstandort Werl, die zuletzt erneut um ihre Jobs bangen mussten, können wohl aufatmen. Zwar fehlt noch die Unterschrift der Heinz-Kettler-Stiftung, aber es ist ein Investor gefunden worden, der Kettler übernehmen will. (cm)

 

 

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