Marken des Alltags:

 

Vom Zwieback zum Dominostein

Die Marke Kinkartz kennt man heute vor allem wegen ihrer Dominosteine, Lebkuchen, Spekulatius, Printen und sonstigen Weihnachtsgebäcke. Neben diesen Saisonartikeln umfasst das Sortiment jedoch auch Produkte wie „Bärentatzen“, „Lemonsticks“, „Knusper Brezeln“ und „Wiener Schnitten“.

kinkartzdominoSolche Keksvariationen, die das ganze Jahr über angeboten werden, haben eine lange Tradition im Hause Kinkartz – schließlich war man bereits Anfang des 20. Jahrhunderts als Zwiebackfabrik bekannt.

Mitten in den sogenannten Gründerjahren, 1872, eröffnete der Bäckermeister Wilhelm Kinkartz im Zentrum der ehemaligen Kaiserstadt Aachen, nahe dem Brunnendenkmal „Hotmannspief“, eine Feinbäckerei.

1133 Kinkartz Kräuterprinten 200g


Bilder: Kinkartz

Im Jahre 1905 zog der inzwischen zur Dauerbackwarenfabrik ausgebaute Betrieb nach Broichweiden, einem Stadtteil des benachbarten Würselen, um. Das Unternehmen Vorweidener Kraftzwiebackfabrik W. Kinkartz K.-G. verfügte nun über seinen ersten Kettenbackofen und begann mit der industriellen Produktion von Backwaren. Neben dem im Firmennamen enthaltenen ganzjährigen Hauptprodukt, Zwieback, wurde auch Weihnachtsgebäck wie Spekulatius hergestellt – und, was im Aachener Raum nicht anders zu erwarten ist: Printen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – das Aachener Stammhaus war den Bomben zum Opfer gefallen – wurde die gesamte Produktpalette der traditionellen Aachener Lebkuchenspezialitäten produziert und in – für damalige Verhältnisse – großen Mengen verkauft. In der Saisonzeit stieg die Kinkartz-Belegschaft auf bis zu 200 Arbeitskräfte an. Der wachsenden Nachfrage begegnete man mit Investitionen in neue Gebäude und Anlagen.

Ab Anfang der 1960er Jahre gehörten auch Kekse aller Art zum ganzjährig angebotenen Standardprogramm von Kinkartz. Mit dem Absatz stieg auch die Zahl der Beschäftigten deutlich an: In den 1980ern zählte die Stammbelegschaft etwa 300 Mitarbeiter. Saisonal waren in manchen Jahren sogar bis zu 800 Menschen bei Kinkartz beschäftigt.

Nach dem Verkauf an die Südzucker-Tochtergesellschaft Schöller-Eis aus Nürnberg im Jahre 1991 wurde Kinkartz Anfang 1999 durch den ehemaligen Hauptkonkurrenten, die Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Henry Lambertz GmbH & Co. KG, übernommen. Die Lambertz-Unternehmensgruppe verfügt als ältester und zugleich weltweit größter Saisongebäckhersteller über sieben Produktionsstätten, darunter eine in Polen. In diesen Werken stehen insgesamt 25 Backstraßen, zwei Dominostein-Linien, drei Linien für Pralinen beziehungsweise Schokoladenprodukte, sechs sogenannte Mischungslinien sowie eine Waffelanlage.

In einer Belegschaftsversammlung im März 2015 teilte die Unternehmensleitung mit, dass der traditionsreiche Kinkartz-Standort in Broichweiden Ende des Jahres geschlossen wird. Die insgesamt 151 Mitarbeiter werden allerdings nicht in die Arbeitslosigkeit entlassen, sondern können, gemäß der ausgehandelten Arbeitsplatzgarantie, in das Aachener Lambertz-Werk wechseln. Insofern kehrt Kinkartz zurück zu seinen Wurzeln in der ehemaligen Kaiserstadt.

 

 

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