„Samson et Dalila“ und „La Fanciulla del West“ live aus der Met


Von biblischer Liebesgeschichte zum Goldrausch

Gleich zwei Meisterwerke holt das Cine 5 noch im Oktober live von der großen Bühne der Metropolitan Opera New York auf die große Leinwand in Asbach. So können Opernfans am Samstag, 20. Oktober, Saint-Saëns „Samson et Dalila“ und nur eine Woche später schon, Samstag, 27. Oktober, Puccinis „La Fanciulla del West“ in kristallklarem HD und mit feinstem Surround Sound hautnah mitverfolgen. Beginn ist jeweils um 19 Uhr.

Wilder Westen: Puccinis „La fanciulla del West“ zeigt das Cine 5 am 27. Oktober.
Bild: Met/ Ken Howard

Famille Saint-Saëns ist nicht unbedingt ein Name, den man sofort mit Opern verbindet. Und tatsächlich hatte der Komponist, der vor allem für seine musikalische Suite „Karneval der Tiere“ bekannt ist, „Samson und Dalila“ als Oratorium angedacht. Es ist auch seine einzige Oper, die sich auf der Bühne durchsetzen konnte – obwohl sich in dem am 2. Dezember 1877 in Weimar uraufgeführten Werk ein besonderer Moment an den nächsten reiht. Inhaltlich basiert die Oper auf der biblischen Geschichte Samsons aus dem Buch Richter. Saint-Saëns entwarf allerdings ein Werk, das aus dieser Vorlage nur einen Ausschnitt wählt: die Liebesgeschichte.

„Danach verliebte sich Samson in eine Frau im Tal Sorek; sie hieß Dalila. Die Fürsten der Philister kamen zu ihr und sagten: Versuch ihn zu betören und herauszufinden, wodurch er so große Kraft besitzt und wie wir ihn überwältigen können.“ So erzählt die Bibel die Geschichte von Samson, der mit seinen übermenschlichen Kräften die Philister unter dem Statthalter Abimélech bezwingt, die das hebräische Volk grausam unterdrücken.

Seine einzige Schwäche ist jedoch die Liebe zu Dalila, einer feindlichen Priesterin, die ihn mit „Mon coeur s’ouvre à ta voix“ – „Mein Herz öffnet sich Deiner Stimme“ – wohl eine der schönsten Mezzo-Arien, die je komponiert wurde und die darüber hinweg täuscht, was für eine teuflische Frau sie war. Denn sie entlockt Samson das Geheimnis um seine Kraft.

Geschwächt durch den Verlust des langen Kopfhaares, wird er gefangen genommen, geblendet und versklavt. In größter Verzweiflung wendet er sich an Gott und gelangt noch einmal zur ursprünglichen Stärke: Er reißt die Säulen des heidnischen Tempels ein und wird zusammen mit tausenden Philistern und Dalila unter den herabstürzenden Trümmern begraben.

Aufbruchstimmung hingegen herrscht in dem Goldgräbercamp im Wilden Westen vor, in das Puccinis siebte Oper „La Fanciulla del West“ – zu deutsch „Das Mädchen aus dem Westen“ – den Zuhörer entführt: ein wahrlich ungewöhnlicher Schauplatz für eine Oper.

Wie schon bei „Madame Butterfly“ zuvor, nutzte der Star-Komponist ein Bühnenstück des Amerikaners David Belasco als literarische Vorlage. Die Premiere an der Metropolitan Opera in New York anno 1910 war ein großer Erfolg – dank Jahrhunderttenor Enrico Caruso und Arturo Toscanini am Pult.

Puccini selbst bezeichnete „La fanciulla del West“ als eine seiner besten Arbeiten, weil ihr allerdings die sogenannten „Reißer“ fehlen, genießt das Werk heute deutlich weniger Popularität als ihre berühmten Geschwister und wird auch seltener gespielt. Dabei hat die naturalistische Oper alles, was den klassischen Western unwiderstehlich macht. Also auch eine große Liebesgeschichte: Minnie, die Wirtin der Goldgräberschenke „Polka“, hat den rauen Glückssuchern ihre besten Jahre geschenkt, als Barfrau, Lehrerin, Autoritätsperson und Angebetete. Nun sucht sie selbst das Glück und findet es in Gestalt von Dick Johnson, einem Neuankömmling im Goldgräberlager.

Dass dieser ein dunkles Geheimnis birgt, ist ein Problem, das durch den selbst ernannten Sheriff Jack Rance, der sein Interesse an Minnie längst angemeldet hat, zur Bedrohung wird. Denn er kennt die wahre Identität des Zugezogenen. In einer atemberaubenden Pokerpartie zockt Minnie um das Leben des Geliebten: Verliert sie, wird sie sich dem Sheriff hingeben, gewinnt sie, soll Dick Johnson frei sein. (imr)

 

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