Marken des Alltags: Rowohlt

 

Von der Erfindung des Taschenbuches

Zwar ist die bereits 1867 begründete Universal-Bibliothek (UB) von Reclam die älteste deutschsprachige (Taschen-)Buchreihe, doch die ersten modernen Taschenbücher in der BRD erschienen am 17. Juni 1950: Rowohlts Rotations-Romane, kurz: rororo. Die vier Bände „Kleiner Mann – was nun?“, „Am Abgrund des Lebens“, „Das Dschungelbuch“ und „Schloss Gripsholm“ hatten je 50.000 Stück Auflage zum Preis von 1,50 Mark.

Ernst Rowohlt
Bilder: Rowohlt Archiv

Der Buchhändler-Volontär Ernst Rowohlt gründete im Sommer 1908 in Leipzig einen Verlag, indem er Gustav C. Edzards Buch „Lieder der Sommernächte“ verlegte. Nachdem Rowohlt im März 1910 den Verleger Kurt Wolff kennengelernt und eine Zusammenarbeit mit ihm vereinbart hatte, erfolgte am 30. Juli die Eintragung des Ernst Rowohlt Verlags in das Handelsregister Leipzig. Wolff wurde stiller Teilhaber. Im Jahr darauf erschienen bereits 34 Bücher – der Verlag stieg zu den größeren der Branche auf.

Kurt Wolff hatte zwar im Verlauf des Jahres 1912 zunehmend Verantwortung im Verlag übernommen und war Kommanditist geworden, doch zum 1. November trennten sich Rowohlt und er nach zunehmenden Streitigkeiten. Gegen Zahlung einer Abfindung übernahm Wolff das Unternehmen, das er in Kurt Wolff Verlag umbenannte. Die Firma Ernst Rowohlt Verlag wurde im Februar 1913 aus dem Handelsregister gelöscht.

Nachdem Ernst Rowohlt bis Oktober als Prokurist beim S. Fischer Verlag in Berlin angestellt war und anschließend die Geschäftsführung des neuen Hyperion-Verlags übernommen hatte, meldete er sich im August 1914 als Kriegsfreiwilliger und blieb bis Kriegsende im Dienst.

„Schloss Gripsholm“ von Kurt Tucholsky war eines der ersten vier „rororo“-Taschenbücher, die Ernst Rowohlt herausgab.

Am 7. Januar 1919 wurde die Ernst Rowohlt KG in Berlin gegründet. Der Verlag überstand die Hyperinflation von 1923 und profitierte in den Folgejahren von der allgemeinen Konjunktur. Doch nach dem Konkurs der Hausbank Danat im Juni 1931 musste Rowohlt seine vorläufige Zahlungsunfähigkeit vermelden. Es wurde eine Auffanggesellschaft gegründet – mit Wettbewerber Ullstein als Mehrheitsgesellschafter.

Der im Februar 1932 erschienene Roman „Kleiner Mann – was nun?“ von Hans Fallada war schließlich die (oder zumindest eine) Rettung. Er entwickelte sich zum Weltbestseller und trug nicht unwesentlich zur Sanierung des angeschlagenen Verlages bei. Nachdem man bereits im Februar 1933 von einem SA-Kommando heimgesucht worden war, erhielt Ernst Rowohlt im Juli 1938 wegen Tarnung jüdischer Schriftsteller Berufsverbot. Im Oktober wurde der Verlag an die Deutsche Verlags-Anstalt AG in Stuttgart angegliedert. 1943 folgte die endgültige Schließung.

Der dritte Anlauf brachte den Erfolg

Im März 1946 erhielt Ernst Rowohlt von der britischen Militärregierung die Lizenz für seine dritte Verlagsgründung. Heinrich Maria Ledig-Rowohlt, sein ältester Sohn, kam angesichts knapper Ressourcen auf die Idee, Bücher auf Zeitungspapier zu drucken. Aus diesen großformatigen Rotations-Romanen entstanden 1950 die rororo-Taschenbücher im kleineren Format. Eine Besonderheit war die Anzeigenwerbung in der Mitte der Bücher, wodurch der Verkaufspreis gesenkt werden konnte. Die Marke wurde bald zum Synonym für das Taschenbuch schlechthin. Die rororo-Bände mit Leinenrücken sind heute bei Sammlern heiß begehrt. Ab 1961, mit der Nummer 451, entfiel der Stoffstreifen.

1983 verkaufte Heinrich Maria Ledig-Rowohlt zeitgleich mit seinem Halbbruder Harry und dessen Mutter die Gesellschafteranteile der Familie an die Holtzbrinck-Gruppe, die im August 1984 die restlichen 33 Prozent am Verlag von der New York Times Inc. erwarb. (cm)

 

 

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