Von der Notgemeinschaft zum beliebten Treffpunkt

Etwas Stolz schwingt in der Stimme von Kartini Klein mit, wenn sie von Obst- und Gartenbauverein Rheinbreitbach erzählt. „Uns zeichnet das Soziale aus, das Interesse an Gartenarbeit und gemeinsame Aktivitäten bilden die Grundlage unseres Vereins.“, erklärt sie als Vorsitzende. „Es ist schon sehr erfreulich, wie sich der Verein entwickelt hat.“

Baumschnitt Braubach

Die Baumschnittkurse des Obst- und Gartenvereins Rheinbreitbach ziehen regelmäßig zahlreiche interessierte Bürger nicht nur aus dem Ort selbst an.
Bilder: Verein

Das ist es allerdings. Denn im Jahr 1907 entschieden die siebzehn Gründungmitglieder – fast alle Landwirte aus der Region Rheinbreitbach – ihr Wissen rund um Garten- und Obstanbau zu teilen und einander zu helfen. Zu dieser Zeit umfasste das Gebiet um Rheinbreitbach noch zahlreiche Kirschbaum- und Erdbeeranbauflächen. Hinzu kam der Anbau schwarzer Johannis- und Stachelbeeren. Wirtschaftliche Bedingungen, Missernten und der Mangel an gebündeltem Fachwissen machten es den Landwirten damals nicht leicht, erfolgreich zu wirtschaften.

Nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ wurde somit der Obst- und Gartenbauverein Rheinbreitbach gegründet. Das ermöglichte den Landwirten, Dünger, Gerätschaften und vieles mehr gemeinsam zu bestellen, Erfahrungen auszutauschen und letzten Endes erfolgreich zusammen zu agieren. Später wuchs die Zahl der Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Rheinbreitbach insbesondere in den Nachkriegsjahren.

Kartini Klein

Kartini Klein stellt den Obst- und Gartenbauverein Rheinbreitbach vor.

Auch diesmal war es eine wirtschaftliche Notsituation. So waren viele Familien gezwungen, eigenes Obst und Gemüse anzupflanzen, um so ihr Überleben zu sichern.  Doch ein Schelm, wer denkt, dass die Zahl der Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins mit der Besserung der Lebensumstände gesunken wäre. „Über zu wenig Zulauf an interessierten Gartenfreunden können wir uns nicht beschweren.“, sagt die Vorsitzende Klein. „Zurzeit haben wir rund 235 Mitglieder, und die stammen erfreulicherweise nicht nur aus Rheinbreitbach. Jeder ist bei uns herzlich willkommen. Auch wenn er nur ein Pflanzgefäß auf dem Balkon hat.“

Denn mit den Interessen der Mitglieder hat sich auch der Verein weiterentwickelt. So stehen heute weniger gewerbliche Zwecke im Vordergrund, sondern vielmehr die Beratung und die gemeinschaftlichen Aktivitäten.

Das ganze Jahr hinweg bietet der Obst- und Gartenbauverein Rheinbreitbach Veranstaltungen an. Zu den Kräuterwanderungen mit anschließender Verkostung, dem beliebten Erntedankfest oder den Vorführungen der „Goldenen Schnitte“ im Frühling und Herbst gesellen sich zahlreiche Wanderungen und Ausflüge.

Viel Leidenschaft und Engagement stecken in der Vorbereitung und Planung der einzelnen Veranstaltungen. „Da bleibt mir selbst fast gar keine Zeit mehr für den eigenen Garten.“, lacht Kartini Klein.

Nur eines gibt es, das sie sich trotz der zahlreichen Mitglieder wünscht: mehr junge Menschen, die den Obst- und Gartenbauverein Rheinbreitbach für sich entdecken. „Es wäre schade, wenn das Wissen um Anbau, Zucht und Ernte verloren geht.“ Dabei sieht die Diplom-Mathematikerin das Ausbleiben der jungen Mitglieder nicht im Mangel an Interesse. „Es ist vielmehr die fehlende Zeit. Viele junge Familien sind heute extrem eingebunden.“

Wer dennoch Zeit findet, kann am 1. April zum Vortrag „Lebensmittel ohne Gluten, Laktose & Co.“ von Brigitta Poppe in den Obst- und Gartenbauverein Rheinbreitbach reinschnuppern.

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