Marken des Alltags: Puky


Von Rollern und Rädern

Wer in den 70er oder 80er Jahren in der Bundesrepublik aufgewachsen ist, dessen Zweiradkarriere begann nicht selten mit einem orangefarbenen Tretroller oder Fahrrad der Marke Puky. Später wurde die Farbpalette deutlich breiter – nun gab es rot-blaue Fahrräder mit „Spiderman“-Motiv oder rosafarbene „Prinzessin-Lillifee“-Dreiräder. Auch das Tiger-Design wird bis heute in Kleinanzeigen-Portalen gesucht und gefunden.

Früher Puck, heute Puky: Geblieben sind die Ausrichtung auf Fahrgeräte für Kinder und das Bekenntnis zum Standort Deutschland.
Bilder: Hersteller

Die Wurzeln des Familienunternehmens Puky liegen in Düsseldorf. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Fahrradproduktionswerk des Neckarsulmer Herstellers NSU zerstört. Dessen Generalvertreter Hermann Schlessmann baute daraufhin eine kleine Montage am Rhein auf, da man dort relativ früh wieder Stahl kaufen konnte. Als die Fahrradproduktion 1949 in das wiederaufgebaute Neckarsulmer Werk zurückkehrte, blieb in Düsseldorf eine funktionsfähige Fertigung zurück.

Ein Geschäftspartner Schlessmanns, Heinz Kuchenbecker, hatte nun die Idee, die brachliegende Fabrik für die Produktion von Kinderrollern zu nutzen. Während es bei Fahrrädern für Erwachsene seit jeher großen Wettbewerb gab, wurde der Markt für Kinderfahrzeuge von wenigen kleinen, regionalen Anbietern bedient.

Mit weiteren Partnern gründeten Kuchenbecker und Schlessmann noch im selben Jahr die Firma „Puck Kinderfahrzeuge“, die 1950 auf der Spielwarenmesse in Nürnberg einen selbst entwickelten Ballonroller vorstellte, der – zum stolzen Preis von 59,85 Mark – über luftgefüllte Pneus anstelle der bis dato üblichen Vollgummireifen verfügte. Das nicht gerade billige, aber im Wortsinn preiswerte Modell kam bei der Kundschaft an: Im ersten Jahr verließen rund 3600 Roller das Werk.

Kinderfahrzeuge im Ausland beliebt

Aus dem Markennamen „Puck“ wurde  wegen der Ähnlichkeit zur österreichischen Fahrradmarke „Puch“ im Jahre 1956 „Puky“. Vier Jahre später musste die nach wie vor eher handwerkliche Fertigung aus Platzgründen nach Wülfrath verlegt werden. 1974 stieg Gründersohn Rolf Kuchenbecker ins Unternehmen ein und stellte dieses auf echte Industrieproduktion um.

Puky produziert seine Fahrzeuge ausschließlich im Hochlohnland Deutschland. Dass dies bis heute möglich ist, verdankt man der Zusammenarbeit mit Behindertenwerkstätten in der Nachbarschaft. Die eigenen Mitarbeiter vor Ort, darunter auch Körperbehinderte, bearbeiten und beschichten zwar das Metall, doch für das Zusammenschrauben eines Fahrrads sind die Löhne in Deutschland inzwischen zu hoch.

So sind es die externen Mitarbeiter an den erheblich kostengünstigeren verlängerten Werkbänken, die es dem Hersteller ermöglichen, in Deutschland zu fertigen. Damit sichern sie zugleich auch die Arbeitsplätze der Wülfrather Puky-Mitarbeiter. An der Qualität wird selbstverständlich nicht gespart: Die Werkstätten sind nach der Norm ISO 9000 zertifiziert.

Die Kinderfahrzeuge von Puky sind nicht nur in Deutschland beliebt – knapp ein Drittel des Geschäfts macht man im Ausland. Exportiert wird in etwa 40 Länder. Besonders in China ist die Premium-Marke sehr begehrt.

Nachdem sich Rolf Kuchenbecker im Februar 2009 aus dem Familienunternehmen zurückgezogen hatte, wurden erstmals externe Kräfte mit dessen Führung betraut. Heute steht Mathias Heller als alleiniger Geschäftsführer an der Firmenspitze.

Das Bekenntnis zum Standort Deutschland hat Puky übrigens vor wenigen Jahren nochmals bekräftigt: Anfang 2013 wurde in Wülfrath eine neue Halle zur Erweiterung der Montage und des Lagers fertiggestellt. (cm)

 

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