Marken des Alltags: Kukident

 

„Wer es kennt, nimmt Kukident“

So mancher Werbespruch bleibt einfach im Gedächtnis haften – zumindest in jenem der älteren Generation. Diese war und ist auch die Hauptzielgruppe der Marke Kukident, die mit Präparaten wie Zahnersatz-Haftmitteln und -Reinigern berühmt wurde. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg wurde das Kukident-Reinigungspulver auf den Markt gebracht – und in den darauffolgenden Jahrzehnten kamen einige Produkte hinzu.

Happy senior couple.

Kukident verspricht ein strahlendes Lächeln auch im Alter.
Bild: Fotolia/Kurhan

Der aus der ehemaligen preußischen Provinz Posen stammende Kurt Paul Carl Krisp gründete nach seiner Ausbildung zum Drogisten 1919 in Magdeburg die Kukirol-Fabrik, um die gleichnamigen Fußpflege-Präparate herzustellen. Schon im Jahr darauf war die Firma Marktführer in dieser Sparte. Um seinen Betrieb zu erweitern, verlegte Krisp die Produktion 1922 ins heutige Bad Salzelmen in Sachsen-Anhalt.

Krisp höchstpersönlich erfand zwei Jahre später die Figur des „Dr. Unblutig“, die in einem umgebauten Lastwagen quer durch Europa fuhr und in Sonett-Form für die Produkte warb. Hier nur ein Auszug: „Hühneraugen, werte Dame, entfernt der kluge Arzt nicht mit dem Messer, dagegen hilft doch längst das wundersame bewährte Kukirol – ganz schmerzlos und viel besser.“

Seine persönlichen Besuche in Drogerien und Apotheken brachten Krisp Aufträge in Höhe von über 2,5 Millionen Mark ein. In großen Zeitungsannoncen warb er für seine Firma als größte Fußpflege-Spezialartikel-Fabrik der Welt. Die Kukirol-Produkte waren seinerzeit bereits in über 50 Ländern erhältlich – bis die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten den Export ab 1933 fast vollständig zum Erliegen brachte.

Da die Inlandsnachfrage den großen Betrieb nicht auslasten konnte, wurde die Produktion – deutlich verkleinert – im Juli desselben Jahres nach Berlin-Lichterfelde verlegt. Ab 1937 wurden die ersten Kukident-Reinigungspulver und Mundpflege-Präparate vertrieben.

Nachdem die Berlin-Blockade den Betrieb seit Juni 1948 von seinen Absatzgebieten im Westen abgeschnitten hatte, wurde dieser im September desselben Jahres nach Weinheim verlegt. Die zunächst aufgetretenen Probleme bei der Beschaffung von Rohstoffen, Maschinen und Verpackungsmaterial ließen sich schließlich lösen. 1962 wurde der neue Werbespruch „Wer es kennt, nimmt Kukident“ entwickelt. Drei Jahre später kamen die Kukident-Reinigungstabletten auf den Markt.

Nach dem Tod Kurt Krisps im Jahre 1971 führte sein Sohn Werner das Unternehmen weiter, verkaufte es aber sechs Jahre später an eine spätere Tochter des Konzerns Procter & Gamble. Im Jahre 1986 produzierten 120 Mitarbeiter in Weinheim eine Milliarde Tabletten pro Jahr, die nicht nur in Deutschland verkauft, sondern auch nach West- und Südeuropa exportiert wurden.

Nachdem 1988 das Unternehmen Reckitt & Colman sowohl die Fabrik als auch die Markenrechte an Kukident für den deutschen Markt übernommen hatte, wurde der Standort Weinheim 1991 zur Hauptproduktionsstätte für Prothesenpflege-Produkte innerhalb dessen Europageschäfts.

Heute gehört die Marke Kukident zu dem weltweit agierenden Unternehmen Reckitt Benckiser und produziert circa zwei Milliarden Tabletten pro Jahr, die in 19 Ländern vertrieben werden. Auf der Homepage wirbt man damit, dass nach wie vor alle Kukident Reiniger und Haftmittel in Deutschland hergestellt werden.

Der Markenname Kukident entstand übrigens aus der Kombination der Kurzform des Gründernamens Kurt Krisp, wobei das „r“ zur besseren Aussprache weggelassen wurde, und dem lateinischen Begriff „dent“ für „Zahn“.

 

 

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