Marken des Alltags: VDO

 

Wie Willis ständiger Begleiter zum Bordcomputer wurde

Wer früher einen Fahrrad-Tachometer erwarb, konnte darauf lediglich die Geschwindigkeit und die gefahrenen Kilometer ablesen. Heute ist aus dem Tacho ein Fahrrad-Computer geworden, der Trainingsziele und -fortschritte dokumentiert und analysiert. Unter dem Namen VDO wurden schon zu Vorkriegszeiten Fahrrad-Tachos produziert – inzwischen bietet die Marke Modelle, die zum Teil Features wie Navigationshilfen, WLAN-Funktechnik und Onlinezugang mitbringen.

Tacho-Willi warb in den 1950er Jahren auf Löschblättern für die Marke VDO.
Bilder: Cycle Parts

Der aus Höchst bei Frankfurt stammende Adolf Schindling gründete 1920 zusammen mit dem Elsässer Georg Häußler die Firma OSA-Apparate GmbH. OSA stand für Otto Schulze Autometer, denn die neue Firma verkaufte ausschließlich die von dem gleichnamigen Straßburger bereits 1902 erfundenen Wirbelstrom-Tachometer.

Nachdem man den Firmennamen in OTA (Offenbacher Tachometerwerke) geändert hatte, produzierte die Firma ab 1923 in Eigenregie Tachometer. Durch Zusammenschluss mit dem Berliner Hersteller DEUTA (Deutsche Tachometer-Werke) entstand 1929 das Unternehmen VDO (Vereinigte DEUTA-OTA). Im selben Jahr ließ Adolf Schindling im Frankfurter Stadtteil Bockenheim ein neues Werk errichten. Da man sich zu einem der wichtigsten Zulieferer der Automobilindustrie entwickelt hatte, beschäftigte das Unternehmen zu dieser Zeit bereits 300 Mitarbeiter.

Bald wurde das Produktportfolio um weitere Mess­instrumente wie etwa Drehzahl-, Ölstands- und Kraftstoffmesser, Uhren und Fahrtenschreiber samt Diagrammscheiben erweitert. Auch Fahrrad-Tachometer wurden bereits in den 1930er Jahren produziert.

VDO-Tacho aus dem Jahr 1976

Nachdem zunächst der Mitbegründer Häußler und später die DEUTA-Gruppe als Teilhaber aus dem Unternehmen ausgestiegen waren, übernahm Schindling dieses 1942 vollständig. Zwei Jahre später wurden die Werke bei den Luftangriffen auf Frankfurt zu mehr als 80 Prozent zerstört. Doch der Wiederaufbau gelang, und schon Ende 1949 beschäftigte man wieder 700 Mitarbeiter. Noch im selben Jahr nahm die Firma die Produktion von Fahrrad-Tachometern wieder auf, 1954 stellte man den millionsten Fahrrad- und Moped-Tachometer her. Aus dieser Zeit etwa stammen auch die „Tacho-Willi“-Comics, die auf die Rückseiten von Löschblättern gedruckt wurden, um damit Schüler direkt anzusprechen.

Um Kosten zu senken, stellte die VDO Adolf Schindling Tachometerwerke GmbH, wie das Unternehmen seit 1951 hieß, fast alle Einzelteile und auch die für die Produktion erforderlichen Werkzeuge in Eigenregie her. Die werkseigene Druckerei druckte mit Spezialmaschinen die Ziffernblätter auf Blech und Kunststoff, mit einer eigens entwickelten Graviermaschine wurden Teilstriche und Ziffern gefräst. Im Jahre 1958 beschäftigte VDO als Europas größte Fabrik für Fahrzeug-Messinstru­mente 3000 Mitarbeiter. Etwa 23.000 Instrumente verließen täglich das Werk.

Nachdem die Firma 1973 in die VDO Adolf Schindling AG umgewandelt worden war, wurde der Automotive-Bereich 1991 von Mannesmann und der Geschäftsbereich Fahrrad-Tachometer 1999 von der Cycle Parts GmbH übernommen. Sie hat ihren Sitz in Neustadt an der Weinstraße und führt neben mehreren Modellen von Fahrrad-Computern, Software und Zubehörteilen heute auch Fahrrad-Beleuchtung in ihrem Sortiment.

Von 1960 bis 1970 stellte VDO übrigens auch „Käse­ecken” her. So wurden die beiden verchromten Gehäuse der „Instrumenten-Kombination“ wegen ihrer dreieckigen Form genannt. Es handelte sich dabei um einen Fahrrad-Tachometer und eine mechanische Fahrrad-Uhr von Kienzle, die per Krone aufgezogen
wurde. (cm)

 

 

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