In der Flammersfelder Schullandschaft hat sich viel verändert

 

Winterschule und Wandeltische

Die Verbandsgemeinde Flammersfeld hat als Träger der Grundschulen mit den Ratsbeschlüssen in den letzten zwei Jahrzehnten weitreichende und zukunftsweisende Entscheidungen im Schulbereich getroffen und Strukturen ermöglicht, die auch langfristig eine gute Unterrichtsversorgung sichern können. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass es langer Wege und vieler Anstrengungen bedurfte, die heutige Schullandschaft zu schaffen.

Von Josef Zolk

Natürlich haben viele Ortsgemeinden den Verlust „ihrer“ Volksschule, die häufig einklassig war, bedauert; für die langfristige pädagogische Entwicklung und Förderung der Kinder war die Konzentration auf größere Standorte mit gegliedertem Klassensystem sinnvoll und richtig, wobei die pädagogischen Leistungen der Unterrichtenden gerade in den kleinen Schulen in den Ortsgemeinden seit den 1860er Jahren oft nicht hoch genug gewürdigt werden können.

Schule Oberlahr 1960

Schule in Oberlahr, 1960
Bild: Gemeinde

Die Schullandschaft änderte sich in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts mit der neuen Schulkonzeption des Landes grundlegend. In der Verbandsgemeinde Flammersfeld wurden die Grundschulen in Flammersfeld, Horhausen und Oberlahr als jeweils zentrale Schule für ihre Raumschaft eingerichtet. Zentrale Hauptschule (Mittelpunktschule) für alle Kinder in der Verbandsgemeinde wurde die Schule in Horhausen. Die Hauptschule wurde ab 1. August 1996 in eine vierzügige Integrierte Gesamtschule (IGS) umgewandelt.

Heute sorgen die kommunalen Grundschulen in Flammersfeld, in Horhausen und nach der Abstimmung am 27. April 1969 die Hauptschule – Christliche Gemeinschaftsschule – (Neubaueinweihung am 12. März 1970) für die gesamte Verbandsgemeinde in Oberlahr, bei aller ihrer Unterschiedlichkeit für ein gutes pädagogisches Angebot.

Die vom Landkreis Altenkirchen getragene Integrierte Gesamtschule (IGS) in Horhausen bietet die Wege zur Berufsreife, zum Realschulabschluss, zur Fachhochschulreife und zum Abitur an und macht den Schulstandort „Verbandsgemeinde Flammersfeld“ auch überregional sehr attraktiv.

Ein Blick zurück zeigt die Veränderungen der Schullandschaft. Im Jahre 1906 – vor einhundert und zehn Jahren also – gab es im Gebiet der Bürgermeisterei Flammersfeld noch 16 Schulen, die älteste zu diesem Zeitpunkt war die 1836 gegründete Katholische Schule Epgert/Obersteinebach/Krunkel mit zwei Lehrkräften.

Schulische Unterweisung und Kirchen waren damals noch eng verflochten. Die kirchliche Schulaufsicht endete endgültig erst mit dem Zusammenbruch des Kaiserreichs im Jahre 1918, wobei oft die alte kirchliche Bezeichnung beibehalten wurde, bis sie von den Nationalsozialisten abgeschafft wurde.

Unterricht in Wohnräumen

Vor dem Bau der jeweiligen Schulgebäude fand der Unterricht in der Regel in Wohnräumen statt. Die meist kaum ausgebildeten Lehrer waren schlecht bezahlt und oft für jeweils nur kurze Zeit beschäftigt. Viele wurden mit dem Wandeltisch versorgt, wobei sie – mit dem Unterricht – von Haus zu Haus ziehen mussten und im jeweiligen Unterrichtshaus ihr Essen bekamen. Hin und wieder erhielten sie auch ein Wandelbett, eine wechselnde Schlafgelegenheit bei den Dorfbewohnern.

Prinzipiell wurde in dieser Zeit eine Winterschule abgehalten, da die meisten Kinder des Ortes während der anderen Jahreszeiten bei der Feldarbeit und Ernte helfen mussten. Die Schüler kamen oft nur sehr unregelmäßig zum Unterricht, worüber die Schulinspektoren ebenso klagten wie über mangelnde pädagogische Kompetenz der oft sehr und zu jungen Lehrkräfte, deren pädagogisches (Hilfs-)Mittel regelmäßig der Rohrstock war.

Nicht genau zu belegen ist übrigens, wann die ersten organisierten schulischen Unterrichtungen in Flammersfeld stattfanden, doch es ist anzunehmen, dass dies bereits kurz nach Übernahme der lutherischen Lehre begann. Gesichert ist, dass nach 1600 eine Kirchspielschule in Flammersfeld existierte, der ersterwähnte Lehrer in Flammersfeld war Henrich Rosenstein. Die schulischen Verhältnisse dieser Zeit liegen im Dunkeln.

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