Interview mit Ortsbürgermeister Gerhard Hausen

 

„Wir haben die Gegensätze überbrückt“

Remagen und Erpel wieder mit einer Brücke zu verbinden – häufiger schon flammten in der Vergangenheit Gedankenspiele zu dieser Idee auf. Im Moment sind sie wieder hoch aktuell. RWN sprach mit Gerhard Hausen, Bürgermeister der Stadt Unkel, über das Thema.

Die historischen Brückentürme könnten in den Neubau einer Rheinbrücke eingebunden werden.
Bild: H.-W. Lamberz

Die Idee des Wiederaufbaus der berühmten „Brücke von Remagen“ ist eigentlich nicht neu. Neu sind aber die aktuellen Überlegungen, eine Verbindung für Fußgänger und Radfahrer am Ort der ehemaligen Eisenbahnbrücke zu errichten. Wie stehen Sie dazu?

Hausen:
Eindeutig und engagiert begrüße ich die Initiative von Bürgermeister Karsten Fehr. Ein solches Projekt betrifft nicht allein Erpel und Remagen. Es ist nachhaltig, zukunftsgerecht und übt eine positive Sogwirkung für die gesamte Region aus. In der Tat würde es sich um ein Leuchtturmprojekt mit echter Brückenfunktion handeln, denn hier werden Regionen und geschichtliche Erinnerungen auf dem Weg in die Zukunft miteinander verbunden.

Auch im Hinblick auf eine ökologisch orientierte Verkehrspolitik – beispielsweise durch eine Entzerrung der Verkehrsströme im beruflichen Pendelverkehr per Nutzung von E-Bikes wäre ein solches Projekt perspektivisch. Eine Verwirklichung ist zugleich bürger- wie besucherorientiert und ein Zeichen für die Überwindung von Krieg.

 

Die Einnahme der ursprünglichen Brücke durch US-Truppen sollte das Kriegsende in Deutschland entscheidend beeinflussen. Stehen die Planungen auch in einem historischen Zusammenhang?

Bild: Frank Homann

Hausen:

Natürlich hätte eine neue Brücke an dieser Stelle eine symbolische Ausstrahlungskraft sondergleichen zumal ich davon ausgehe, dass die beiden historischen Brückentürme als Eckpfeiler eingebunden würden. Eine Kopplung von historischen und futuristischen Elementen stelle ich mir spannend vor.

Sie sollte als Friedensbrücke sicher ein Wahrzeichen sein: für die Deutsch-Französische- wie für die nach wie vor existierende Deutsch-Amerikanische Freundschaft, für die europäische Idee und für die Völkerverständigung. Ein sichtbarer Ausdruck für die Botschaft: Wir haben die Gegensätze überbrückt.

 

Welchen Nutzwert verspricht die Radlerbrücke für die Region und den Tourismus?

Hausen:
Sie kommen besser und schneller an Ort und Stelle. Damit wird auch der Radius größer, der für Radtouristen für eine Tour in Frage kommt.

Ein Brückenbau gewährleistet individuelle Flexibilität, Wartezeiten fallen fort und keiner ist an vorgegebene Fahrregularien gebunden. Das sollte auch der Gastronomie beidseitig des Rheins zu Gute kommen – niemand muss auf die Uhr schauen, wann es zum letzten Mal für den Tag Gelegenheit gibt, die andere Seite des Rheins zu erreichen. Das entschleunigt.

Als architektonische Herausforderung könnte das Werk ein attraktives Alleinstellungmerkmal, eine Sehenswürdigkeit sein, das Gäste zusätzlich anlockt. Zudem schont eine Überbrückung Nerven und Umwelt.

 

 Sie haben gemeinsam mit Remagen eine Online-Befragung der Bürger organisiert. Wie fiel dazu das Ergebnis aus?

Hausen:
Auftraggeber waren die Verbandsgemeinde Unkel, die Ortsgemeinde Erpel, und die Stadt Remagen; durchgeführt wurde die Umfrage vom Team um Prof. Dr. Holger J. Schmidt von der Koblenzer University of Applied Sciences. Ergebnis ist ein ganz klares Votum für den Bau. Über 4000 Menschen diesseits und jenseits des Rheins hatten an der Online-Befragung teilgenommen, über 3500 Fragebögen wurden sogar komplett bis zum Ende ausgefüllt. Wenn bei einer solchen statistisch signifikanten Stichprobengröße wie geschehen eine Zustimmung von rund 85 Prozent der Befragten herauskommt, ist das eine unmissverständliche Botschaft.