Zu Fuß und per Schiff durch Natur und Geschichte des Lahntals

Die traditionelle große Lehrfahrt des Kreiswaldbauvereins Neuwied führte dieses Mal in den benachbarten Rhein-Lahn-Kreis. Zu Fuß und per Schiff galt für die 60 Teilnehmer, den vielgestaltigen Wald dieser Mittelgebirgslandschaft zu erkunden. Der Rhein-Lahn-Kreis gehört zum Wuchsbereich des rechtsrheinischen Schiefergebirges. Enge, steile und tief eingefurchte Kerbtäler der Lahn und ihrer Nebenflüsse prägen die Landschaft und lassen ganz unterschiedliche Stand­orte für den Wald entstehen. Die Wuchsbedingungen reichen von trockenen Sonnenhängen und Kuppen bis hin zu feuchten Unterhängen und Tallagen. Entsprechend diesen natür­lichen Gegebenheiten liegt der Schwerpunkt der Waldbilder bei Buchen- und Eichen-Hainbuchenwäldern.

Einen Gang durch diese verschiedenen Waldgesellschaften machten die Besucher beim Durchwandern der Holzbachschlucht, einem alten Naturschutzgebiet zwischen den Orten Seck und Gemünden. Einen intensiven Eindruck gab es gleich beim imposanten Einstieg in die Schlucht, wo große runde Basaltbrocken wie von Riesenhand hingeworfen den Einstieg erschwerten. Unterschiedliche Bedingungen bei der Eruption des Vulkans und der Abkühlung der glühenden Lava haben hier nicht die gewohn­ten sechseckigen Basaltsäulen entstehen lassen, sondern große Basaltbrocken. Deren Verwitterung führt zu anderen Bodenverhältnissen als bei den Neuwieder Basaltkuppen, so die Erläuterung von Dieter Steinebach, als Privatwaldbetreuer einer der beiden Exkursions­führer bei dieser Fahrt.

Am Ende der Holzbachschlucht

Die Teilnehmer der Exkursion des Kreiswaldbauvereins Neuwied nach der Überwindung der Holzbachschlucht.    Bild: Verein

Forstliche Gesichtspunkte standen dann bei der Führung von Forsteinrichter Helmut Rieger im Vordergrund. Die Erläuterungen zum Ulmensterben, hervorgerufen durch Käfer- und Pilzbefall machten klar, warum diese Baumart in unseren Wäldern so selten geworden ist und fast ausschließlich junge Exemplare vorkommen. Der Käfer befällt Ulmen meist ab einem Alter von 25 bis 30 Jahren, also nach der ersten Samenreife, und überträgt dann die für den Baum tödlichen Pilzsporen.

Auch das Eschensterben, hervorgerufen durch einen Schlauchpilz, dem Falschen Stängelbecherchen, konnten die Besucher vor Ort in Augenschein nehmen. Sie diskutierten die mittelfristigen Folgen für den naturnahen Waldbau und die zukünftige Zusammensetzung der Laubwälder.

Anhand des Vorhandenseins bestimmter Pflanzen Rückschlüsse auf den Standort und seine Bodenbeschaffenheit zu ziehen, dafür erhielten die Teilnehmer ein gutes Beispiel. Nachdrücklich wies der Forsteinrichter auf das natürliche Vorkommen des sonst selteneren Bingelkrauts hin − einem Indikator für eine gute Versorgung mit Nährstoffen in der Holzbachschlucht, die denjenigen an den Standorten des Bingelkrautes auf Muschelkalk-Buchenwäldern ähnelt.

An Deck eines Lahndampfers erlebten die Gäste schließlich das idyllische Lahntal geprägt durch seine steilen bis in die Tallagen bewaldeten Hänge. Das dichte Nebeneinander von Bahnlinie, Auto­verkehr und Flussufer erschweren die Bewirtschaftung dieses für den Bodenschutz und den Wasserhaushalt so wichtigen Schutzwaldes. Besonderen Zugang zu der historischen Entwicklung des Landstriches fanden die Zuhörer durch die Ausführungen von Helmut Rieger zu den geologischen und geschichtlichen Besonderheiten. Die aufgelassenen Abbauhänge des rötlichen Lahnmarmors waren noch deutlich zu erkennen, ebenso wie die sich allmählich begrünenden Abraumhalden des Erzabbaus, der die Grundlage der industriellen Entwicklung im Lahntal in den vergangenen Jahrhunderten gebildet hatte.

Bei der Rückkehr ins Rheintal per Bus wurde dann auch noch das geschichtsträchtige Bad Ems durchquert, in dem sich Silberabbau, die Nutzung der heißen Heilquellen zu Kurzwecken und die große politische Geschichte auf engem Raum dicht nebeneinander präsentieren.

Dr. Gisela Born-Siebicke, Vorsitzende des Kreiswaldbauvereins, freute sich über ein gelungene Exkursion. Besonderen Dank richtete sie an die beiden Referenten Helmut Rieger und Dieter Steinebach: „Sie haben uns beide anschaulich näher gebracht, dass man eine Landschaft mit all ihren Besonderheiten erleben muss, um sie zu verstehen. Die Bewirtschaftung des Waldes ist dabei untrennbar mit der Kultur und der Wirtschaftsstruktur einer Region verbunden.“

 

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